Aus der Geschichte der evangelischen Kirchengemeinde Königshardt

Vorwort

In diesem Bericht wird aus der Geschichte unserer traditionsreichen Ev. Kirchengemeinde Königshardt berichtet. Sie ist zugleich die Geschichte des Ortsteils Königshardt und ihrer Menschen. Es ist interessant zu wissen, dass Pfälzer Kolonisten, die als bettelarme Menschen in die Einöde der Issel- oder Hütterhardt kamen, beharrlich im Glauben, sich Schule und Kirche erkämpften. Schon sehr früh, wenige Jahre nachdem die Pfälzer Emigranten ödes Heideland vom preußischen König geschenkt bekamen, unterrichteten die Handwerker Johannes Roll, Butterfaß und Bungert die Kinder der ersten Siedler, allerdings nur im Winterhalbjahr. Bald bekamen die Pfälzer Kolonisten Mittel für eine Schule und Zuschüsse für einen Lehrer. Im neuen 19. Jahrhundert benannten die Siedler, unter ihnen auch neu Zugezogene, zu Ehren des preußischen Königs, ihr Siedlungsgebiet „Königshardt“. Jedoch ihren Ruf nach einer eigenen Kirche und einem Seelsorger konnte erst nach rund 100 Jahren in Erfüllung gehen. Seither ist die Königshardter evangelische Kirchengemeinde nie wohlhabend, aber immer aktiv gewesen.

Doch lesen Sie selbst und bedenken Sie, in welchem Zeitgeschehen sich die Königshardter mit ihrer Gemeinde auseinandersetzten.

Aus der Geschichte

Der Zeit gehorchend ist die Ev. Kirchengemeinde Königshardt mit der Ev. Kirchengemeinde Schmachtendorf im Jahr 2007 eine Fusion eingegangen. Beide Gemeinden konnten auf eine lange Selbstständigkeit zurückblicken: Schmachtendorf seit 1928 und Königshardt seit 1875. Am 20. Juli 2000 feierte unserer Evangelischen Kirchengemeinde Königshardt ihre 125jährige Selbstständigkeit. Sie war damit im Norden Oberhausens, nach Holten und Sterkrade, die drittälteste Kirchengemeinde. In den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts hielten es mutige und gläubige evangelische Christen in der Diaspora, 200 Seelen waren es im Siedlungsgebiet Königshardt und 310 in der Walsumermark, für notwendig, sich von ihren Muttergemeinden Holten und Hiesfeld zu trennen. Im Jubiläumsjahr 2000 zählt die Evangelische Kirchengemeinde Königshardt mit ihren zwei Pfarrbezirken 5100 Glieder. Die Zahl der evangelischen Christen hatte sich also in den letzten 125 Jahren verzehnfacht. Die Bevölkerungszahl insgesamt auf Königshardt, nunmehr ein Stadtteil von Oberhausen, hat sich in derselben Zeit sogar mehr als verzehnfacht. Der Ortsteil Königshardt hatte in diesem Jahr mehr als 13.000 Einwohner, und es ist absehbar, dass die Einwohnerzahl noch weiter steigen wird. Die rege Bautätigkeit bestätigt dieses. Aus dem einst bäuerlich armen Königshardt ist mittlerweile eine bevorzugte Wohngegend in der im Strukturwandel befindlichen Stadt Oberhausen geworden.

Obwohl wir in die Zukunft blicken wollen und sollen, ist es doch angebracht, einen Blick zurück auf  die Wurzeln und Anfänge unserer traditionsreichen Gemeinde zu werfen. Denn wer nach vorne blicken will, sollte die Vergangenheit kennen. Waren es doch evangelische Emigranten aus der Pfalz, die aus wirtschaftlichen Gründen und Glaubensnot ihre Heimat verließen, um in der Fremde eine bessere Zukunft zu finden. Das angestrebte Ziel Amerika, also die „Neue Welt“, konnte aus purer Armut nicht erreicht werden. Jedoch das preußische Gebiet am Niederrhein war erreichbar. Die Siedlungsorte der preußischen Neubürger, wie Pfalzdorf, Luisendorf, Bönninghardt, Neudorf, Friedrichsfeld und Königshardt belegen die Herkunft ihrer Bewohner.

Besiedlung und Lehrer Johannes Roll

1776, als sich die Vereinigten Staaten von Amerika von den europäischen Mutterstaaten lösten, wies der preußische König Friedrich II. den ersten acht Pfälzer Siedlern auf der Issel- oder Hütterhardt, wie die Königshardt damals bezeichnet wurde, Siedlungsland zu. Zugleich versprach er ihnen sowohl eine Schule als auch eine Kirche. Schon ab 1783 unterrichtete Johannes Roll und Butterfaß die Kinder der Kolonisten. 1786 bekamen sie die Bewilligung zum Bau einer Schule, die in der Zeit von 1798 bis 1803 an der heutigen Königshardter Straße errichtet wurde. In die Wohnung der Schule zog Johannes Roll mit seiner Familie ein, der seit 1794 die Königshardter Kinder nebenberuflich im Winterhalbjahr unterrichtet. Im Hauptberuf war Roll jedoch Maurer.

Die Kolonisten nennen ihr Siedlungsgebiet Königshardt

1806 tauchte im Kirchenbuch der katholischen St. Clemens-Pfarre in Sterkrade zum ersten Mal schriftlich die Bezeichnung „Königshaardt“ bei einer Eintragung der Familie Schmitz auf. Der neue Name war wohl aus Dankbarkeit der Kolonisten gegenüber ihrem König und Gönner entstanden.

Die Besiedlung der Sterkrader und Walsumer Marken bereiteten den Beteiligten viel Ärger und Verdruss. Die armen Kolonisten auf der öden Heide konnten sich kaum selbst ernähren und kamen deshalb oft mit dem Forst-Fiskus in Konflikt. Sterkrader Bauern sahen sich sehr eingeschränkt, denn sie konnten im Kolonisten-Gebiet keine Viehhude mehr betreiben; wobei das Siedlungsgebiet „Walsumermark“ erst nach der Auflösung der „Marken“, der sogenannten Separation, nach 1850 besiedelt wurde.

Viele Männer arbeiteten in der aufblühenden Industrie. Auf der „St. Antonyhütte“ in Osterfeld und auf der Hütte „Gute-Hoffnung“ in Sterkrade fanden sie ihren Broterwerb ebenso wie im aufkommenden Steinkohlenbergbau in Osterfeld. Einige von ihnen waren Tagelöhner. Nebenbei waren sie Besenbinder, Moossammler oder Krammetsvogelfänger, denn alleine von ihren Kathstellen und ihren kargen Verdienst konnten sie ihre kinderreichen Familien kaum ernähren.

Die Kolonie Königshardt war und blieb ein Zuzugsgebiet, obwohl der zuständige Bürgermeister aus Beeck (jetzt zu Duisburg) jeden weiteren Zuzug wegen der vorherrschenden Armut stoppen wollte.

Wie groß die Armut noch um 1849 war, können wir daran erkennen, dass in der Eversloh/Abelheide noch vier Familien in Erdhütten wohnten. Bürgermeister Klinge aus Holten (Sterkrade gehörte mit Königshardt von 1815 bis 1886 zur Bürgermeisterei Holten) sorgte mit Hilfe des Polizei-Sergeanten dafür, dass die Menschen aus den Hütten auszogen und sich feste und stabile Häuser bauten.

Um 1850 wurde auch das jetzt unter Denkmalschutz stehende Backhaus an der Pfälzer Straße vom Kötter Barmscheid errichtet.

Trotz oder wegen ihrer Armut waren zu dieser Zeit alle Königshardter treue Christen. Die katholischen Bewohner orientieren sich nach Sterkrade, die evangelischen nach Holten und Hiesfeld.

1827 erinnerten die evangelischen Königshardter in einem Schreiben an die zuständigen Regierungsstellen an das Versprechen in der Erbverschreibung, eine Schule und eine Kirche zu bauen.

Pfarrer Berckenkamp aus Holten betreut auch die Königshardt

Der evangelische Pfarrer Berckenkamp aus Holten, von dem wir noch hören werden, hielt um 1844 regelmäßig Bibelstunden in Königshardt ab. Als 1856 die Eisenbahnlinie von Oberhausen in Richtung Holland eröffnet und Wege unterbrochen wurden, erschwerte sie den Fußweg der Königshardter Katechumenen zum Unterricht und den der Gemeindeglieder zum sonntäglichen Gottesdienst.

Im Jahre 1847 gründeten die evangelischen Sterkrader eine eigene Gemeinde. Der erste evangelische Pfarrer Creutzberg nahm Kontakt mit den Evangelischen auf der Hardt auf, um sie nach Sterkrade einzugemeinden. Die Königshardter waren nicht abgeneigt und stellten deshalb einen entsprechenden Antrag. Die reformierte Holtener und die lutherische Hiesfelder Muttergemeinden jedoch verweigern ihre Zustimmung.

Mitte der 60er Jahre des 19. Jahrhunderts bescheinigte der Holtener Pfarrer Berckenkamp den evangelischen Königshardtern, in den letzten Jahrzehnten seine fleißigsten Kirchenbesucher gewesen zu sein. Dabei muss man bedenken, dass die Gläubigen den Weg zur Holtener Kirche zu Fuß zurücklegten. Die neue Bahnlinie von Oberhausen nach Holland der Köln-Mindener-Eisenbahngesellschaft, versperrte den direkten Zugang. Deshalb musste ein Umweg genutzt werden. Zu dieser Zeit wohnten schon 350 Evangelische auf der Königshardt und Walsumermark.

Ab 1867 begann auf der Königshardt die Zeit der regelmäßigen evangelischen Gottesdienste. Abwechselnd hielten die Pfarrer aus Holten, Hiesfeld und Sterkrade gut besuchte Gottesdienste am Sonntagnachmittag in der Schule ab. An den zweiten Feiertagen zu Ostern, Pfingsten und Weihnachten war der Gottesdienst auf den Vormittag gelegt. Das heilige Abendmahl wurde nach Bedarf ausgeteilt.

1868 schenkte Pfarrer Berckenkamp den Königshardtern im Namen des Gustav-Adolf-Vereins eine Bibel mit folgender Widmung: „Der im Entstehen begriffenen Gemeinde Königshardt, auf Bitten des sie bedienenden Herrn Pastors Berckenkamp vom Elberfelder Gustav-Adolf-Verein. Derselben zugesagt auf der Versammlung des Hauptvereins zu Mülheim an der Ruhr am 1. Oktober 1868″. Es ist dies die älteste Gemeindebibel auf Königshardt.

 

Pfarrvikar Friedrich Bleier

Schon im Januar/Februar des Jahres 1869 stellten die Kirchengemeinden Holten und Hiesfeld Anträge zu Gründung einer eigenen Kirchengemeinde für die Königshardt und Walsumer-Mark.

Und nun ging es Schlag auf Schlag. Nur wenige Monate nach diesem Antrag konnte am 11. Mai 1869 der erst 26jährige Pfarrvikar Friedrich Bleier vom Superintendenten Wortmann aus Ruhrort als erster Geistlicher auf der Königshardt eingeführt werden.

Durch finanzielle Unterstützung des Gustav-Adolf-Vereins, der Pastoralgesellschaft und einer großzügigen Zusage seitens des Oberkirchenrates, konnte das Gehalt des Pfarrvikars gesichert werden, welches 400 Taler pro Jahr betragen sollte. Die notwendigsten kirchlichen Geräte waren durch Schenkung des Gustav-Adolf-Vereins vorhanden. Kelch und Abendmahlsgeräte waren vom Neuwieder Gustav-Adolf-Vereins geschenkt worden. Auch die Altarbibel auch vorhanden, wie wir bereits erfuhren. Die entstehende Gemeinde selber hatte einen Abendmahlsteller, Talar und Altardecke erworben. Eine Kanzel stand auch bereit. Eine Orgel schenkte die Ruhrorter Gemeinde. Selbst eine Glocke aus Gussstahl, die vom Schulgebäude aus ihr Geläut über die Hardt ertönen ließ, fehlte nicht. Was noch zur Gottesdienstausstattung fehlte, war ein Altar. Die entstehende evangelische Kirchengemeinde Königshardt & Walsumer-Mark zählte um 1870 ganze 450 Seelen.

Für 200 Taler erwarb die junge Vikariatsgemeinde im Frühjahr des Jahres 1870 drei Morgen Land an der Straße von Holten nach Kirchhellen, um eine Kirche und ein Pfarrhaus zu erbauen und um einen Gemeindefriedhof anzulegen. (Die überörtliche Straße, damals noch ein Heideweg, wurde um 1890 in Königsstraße und 1917 in Buchenweg umbenannt. Das neue Kirchengelände gehörte noch bis 1917 zur selbständigen Landgemeinde Hiesfeld).

Am 24. Mai des gleichen Jahres wurde der Grundstein für ein Pfarrhaus gelegt, in dem der erste Pastor auf der Königshardt, Pfarrvikar Friedrich Wilhelm Bleier, bereits am 17. November einziehen konnte. Bis dahin hatte er bei Lehrer Voß in dessen Haus (Schule) gewohnt.

Ein erstes Presbyterium gab es bereits 1871. Ihm gehören an: Friedrich Wilhelm Bleier (Pastor), Gerhard Voß (Lehrer), Jakob Luft, Philipp Luft, Peter Hartmann, Dietrich Dickmann und Wilhelm Luft genannt Heyermann. Dieses Presbyterium beschloss den Bau einer Kirche, deren Grundstein am 12. Juli 1871 gelegt wurde. Eine Urkunde belegt dieses für die Kirchengemeinde bedeutsame Ereignis.

Endlich war der Wunsch der ersten Siedler, die sich einhundert Jahre zuvor hier in der wilden Heide angesiedelt hatten, in Erfüllung gegangen. Aus finanziellen Erwägungen hatte man sich für einen Nachbau der kleinen Kirche auf der Bönninghardt, auch einer Pfälzer Siedlung und jetzt zu Alpen am Niederrhein gehörig, entschieden. 500 Taler, die meist durch auswärtige Sammlungen zusammengetragen worden waren, standen zur Verfügung. Die Baugenehmigung der Kirche wurde nach dem Baubeginn, allerdings erst am 14. September, nachgereicht.

Die sich neu bildende evangelische Gemeinde zählte zu den Diaspora-Gemeinden in der preußischen Rheinprovinz und umfasste ein 1/4 Quadrat Meile großes Territorium mit den Ortschaften Königshardt und Walsumer-Mark. Die weiteste Entfernung von der Kirche war 1/2 Stunde zu Fuß. Ein Kirchenvorstand stand der Gemeinde vor. Die beiden Ortschaften wurden von der Bürgermeisterei Holten (Königshardt) und Hiesfeld (Walsumer-Mark) verwaltet. Kirchlich gehörte die Gemeinde zur Synode Duisburg. Die Seelenzahl betrug 485, wovon 200 auf der Königshardt und 285 in der Walsumer-Mark wohnten. Eine Zunahme der Seelenzahl war wegen der Vergrößerung der Fabriken in Sterkrade und Oberhausen anzunehmen. Die meisten Gemeindeglieder waren Fabrikarbeiter, Besenbinder, Tagelöhner sowie einige Bauern.

Am 23. Oktober 1872 war es denn so weit. Die erste Kirche auf der Königshardt konnte nach einer Bauzeit von einem Jahr und fünf Monaten eingeweiht werden. Das Gotteshaus war 16,5 Meter lang, 9,4 Meter breit und in der Firste 8,3 Meter hoch. Die Kosten nebst den 1873 gelieferten zwei Glocken betrugen 4000 Taler. Die Bronze für die Glocken bekam die Kirche vom preußischen König geschenkt. Sie stammte aus erbeuteten Kanonen vom deutsch-französischen Krieg von 1870/71. Die größere 600-Pfund-Glocke bekam die Inschrift aus Jes. 2.4 und die kleinere 300-Pfund-Glocke die Inschrift aus Jer. 22.29. Als Symbol bekamen beide Glocken, die in Gescher (Münsterland) gegossen wurden, je zwei ineinander geschlungene Hände unter dem Namenszug Königshardt – Walsumer-Mark. Im Jahr darauf wurden 16 Lindenbäume um die Kirche herum gepflanzt. Auf eine Orgel wartete die Gemeinde bis zum Januar 1775. Doch mit der gebrauchten und umgebauten Orgel, die 350 Taler kostete, hatte die Gemeinde keine große Freude. Als Organisten der Kirche lösten sich Lehrer aus der Umgebung ab, denn einen eigenen Kirchenmusiker konnte sich die arme Gemeinde nicht leisten.

Die Gemeinde wird selbständig

Größere Freude bescherte der 20. Juli 1875 den Königshardtern. Denn nun endlich wurde die Evangelische Kirchengemeinde Königshardt – Walsumermark selbständig und löste sich von ihren Muttergemeinden Holten und Hiesfeld. Die neue Gemeinde gehörte zur Synode (Kirchenkreis) Duisburg und zählte 510 Seelen. 200 auf Königshardt und 310 in der Walsumer Mark.

Die staatliche Anerkennung als selbständige Kirchengemeinde folgte am 4. August 1875. Ein eigenes Siegel mit dem Motiv einer Tanne auf dürrem Boden stehend bekundete ab nun alle offiziellen Dokumente. Die Umschrift des Siegels lautete: Evangelische Gemeinde Königshardt und Jes. 51 V. 3 (Der Herr tröstet Zion, er tröstet alle ihre Wüsten und macht ihre Wüsten wie Eden und ihr dürres Land wie den Garten des Herrn, dass man Wonne und Freude darin findet, Dank und Lobgesang).

Das erste selbständige Presbyterium bestand damals aus dem Kirchmeister Theodor Luft, Diakon Heinrich Dickmann, sowie aus den Ältesten: Lehrer Gerhard Voß, Johann Luft-Loggen, Georg Ewich, und Dietrich Klaaßen.

Als Mitglieder der größeren Gemeindevertretung wurden gewählt: Johann Gieseke, Wilhelm Luft-Hanjörgen, Heinrich Terhardt, Gerhard Bohnes, Peter Wagener und Dietrich Horstmann.

Pfarrer Wilhelm Veller

Pfarrer Bleier verließ die Königshardt am 27. September 1875 nach anstrengender Aufbauarbeit. Wilhelm Veller wurde als Pfarrer neu gewählt und am 11. November 1875 in sein Amt eingeführt.

Die Schule der ersten Königshardter Siedler, in der die katholischen und evangelischen Kinder unterrichtet wurden, verlor 1876 ihren Simultancharakter und wurde in eine evangelische Kommunalschule umgewandelt. Der bisherige Lehrer Voß trat im Alter von 73 Jahren in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde Friedrich Wilhelm Schaub. Zur gleichen Zeit wurde eine neue Schule für die katholischen Kinder gebaut. Es war die spätere Hartmannschule.

Um den Wissensdurst der evangelischen Jugend gerecht zu werden, richtet Pfarrer Veller eine Sonntagsschule, Vorläufer des Kindergottesdienstes, ein. Im Laufe der Jahre nahmen bis zu 2/3 der schulpflichtigen Jugend daran teil.

Durch weiteren Zuzug wurde es in der Walsumermark unumgänglich, eine weitere Schule einzurichten. Am 19. August 1879 eröffnet die Evangelische Hardt- oder Walsumermarkschule mit 87 Kindern ihre Pforte. Erster Lehrer wurde Heinrich Knüfermann. Er war bis 1924, also 45 Jahre lang an dieser Schule tätig. Ihm zu Ehren nannten die Menschen die Schule auch „Knüfermannschule“.

Da der Keller des Pfarrhauses im Winterhalbjahr, wegen hohem Wasserstand nicht zu gebrauchen war, entschloss sich das Presbyterium und die größere Gemeindevertretung 1879 endlich Abhilfe zu schaffen, denn Pfarrer Veller beanstandete der Zustand mehrmals und drängte etwas zu tun. Sein Vorschlag, einen neuen Kellers im Anschluss an das Pfarrhaus zu bauen um darauf ein „Katechesirzimmer“ (Konfirmandenraum) zu errichten wurde umgesetzt.

Der Dachstuhl des Pfarrhauses wurde ebenfalls im Jahr 1879 um 1,20 m angehoben, um im Dachgeschoss bessere Schlafräume zu erhalten. Das Leben der jungen Gemeinde entwickelt sich positiv. Nicht nur dass arme Familien unterstützt wurden, es wurde auch fröhlich gefeiert. Das Missionsfest wurde über viele Jahre eine ständige Einrichtung.

In dieser Zeit ist wohl auch der Ursprung der traditionellen „Königshardter Wottelkirmes“, als Feier zum Erntedankfest anzusiedeln. Im Eckbereich des heutigen Höhen-/Buchenweges sowie der  Pfalzgrafenstraße nahe der Gaststätte Pargmann, die 1894 ihren Betrieb mit dem großen Kaisersaal aufnahm, könnte die „Wottelkirmes“ ihren Ursprung genommen haben.

1880 war das Interesse an Literatur so groß, das Pfarrer Veller eine Bibliothek mit 117 Bänden einrichtete. Auch über den Gottesdienstbesuch konnte sich die Gemeinde nicht beklagen. Durchschnittlich besuchten von den mittlerweile 640 Gliedern, 120 den sonntäglichen Gottesdienst. Zu den Festtagen waren es fast doppelt so viele.

Lehrer Knüfermann spielte nicht nur die Orgel beim sonntäglichen Gottesdienst, sondern gründete 1885 den Evangelischen Bürgerverein „Eintracht Königshardt – Walsumermark“, den Vorläufer des heutigen „Evangelischen Männerwerkes Königshardt“. Hier waren die Männer der 656-Seelen-Gemeinde organisiert, die überwiegend als Fabrikarbeiter, Tagelöhner und kleine Ackerer ihrer Arbeit nachgingen.

Pfarrer Paul Lembeck

Nach zehnjähriger Tätigkeit verließ Pfarrer Wilhelm Veller am 14. Juni 1885 die Gemeinde im beidseitigem Einverständnis. Im gleichen Jahr, am 15. September, wurde Paul Lembeck neuer Pfarrer auf Königshardt.

Die gerade 12 Jahre alte Orgel der Kirche war nicht mehr tauglich. Die Hof-Orgelbaumeister Gebr. Euler erhielten den Auftrag, eine neue Orgel mit z.T. noch brauchbaren Elementen der alten Orgel zu bauen. Bereits um 1890 brauchte die Orgel ein neues Gebläse, dass der Gemeinde 320 Mark kostet. Auch das alte Königshardter Schulgebäude war zu klein geworden. Im Anschluss an das alte Gebäude wurde eine neue Klasse errichtet; zehn Jahre später wurde noch einmal ein zusätzlicher Klassenraum erforderlich.

Die Namen der Presbyter des Jahres 1891 sind uns noch überliefert. Es waren sind dies: Pfarrer Paul Lembeck als Vorsitzender, Peter Luft-Hannjörgen, Johann Mangelmann, Dietrich Sevenheck, Jakob Unkrig und Heinrich Luft-Knupp. Zur größeren Gemeindevertretung gehörten: Lehrer Ufermann, Heinrich Unkrig, Gerhard Ewich, Heinrich Luft-Hützen, Theodor Luft-Scholten, Gerhard Bohnes, Wilhelm Luft-Scholten, Fritz Wiesenhoff, Hermann Pithan, Wilhelm Luft-Jacobs-Sohn, Johann Hemmert, Theodor Heiermann und Jakob Theilacker.

Im nächsten Jahr, also 1892, kaufte die Gemeinde vom Hüttenarbeiter Wilhelm Luft-Jacobs-Sohn vom jetzigen Höhenweg ein Grundstück zur Erweiterung des Friedhofs.

Im zweiten Jahr des neuen Jahrhunderts musste es der Gemeinde wieder einmal besonders schlecht ergangen sein. Pfarrer Paul Lembeck schrieb einen Bittbrief an die Gutehoffnungshütte. In diesem Konzern mit seinem Hüttenwerk, dem Maschinen- und Brückenbau und den Steinkohlenzechen, arbeiteten die meisten Männer der Gemeinde. Es war Brennmaterial und ein wenig Geld, das die Hütte der Gemeinde zukommen ließ. Beides wurde gerne angenommen.

Um 1906 setzte eine weitere Sammlung ein, um für die nunmehr 31 Jahre alten Kirche eine Turmuhr anzuschaffen. Der M.G.V. „Sangeslust Königshardt-Walsumermark“ veranstaltete im Oktober 1906 ein Wohltätigkeitskonzert für die anzuschaffende Turmuhr. Die stolze Summe von 178,30 Mark konnte für den guten Zweck überreicht werden. Der Evangelische Bürgerverein „Eintracht“ war 1907 ebenfalls großzügig und spendete 30 Mark für den Turmuhrfond. Es war im Jahre 1911, als der Kirchturm zur Straßenseite eine Uhr bekam.

Im Jahre 1908 wurde das 1870 erstellte Pastorat an der Westseite um einen zweigeschossigen Anbau mit Keller, Balkon erweitert.

Lehrer Knüfermann wurde 1910 wieder einmal zum Wohltäter des Evangelischen Bürgervereins „Eintracht“. Denn zum 25jährigen Jubiläum stiftete er eine Fahne, die den 2. Weltkrieg bei Schreinermeister Gerhard Hettkamp überstand und seit der Wiederentdeckung 1996 im Gemeindehaus eine Wand ziert.

Die Frauen der Gemeinde wollten den Männern nicht nachstehen und gründeten 1911 mit Hilfe von Pfarrer Lembeck die Ev. Frauenhilfe Königshardt. Den Ursprung der Frauenhilfe in Deutschland hatte 1899 die Kaiserin Auguste-Viktoria gelegt. 2011 konnte das Jubiläum, 100 Jahre Ev. Frauenhilfe Königshardt mit großem Aufwand gefeiert werden.

Pfarrer Johannes Blindow

Nach 28 erfolgreichen Jahren im Dienst der Kirchengemeinde starb am 11. August 1913 Pfarrer Paul Lembeck. Zu seinem Nachfolger wählte die Gemeinde Johannes Blindow. Er trat am 2. April 1914 seinen Dienst an. Schon in den ersten Monaten seiner Tätigkeit gründete er einen Kirchenchor, den seine Frau leitete. Ein Bläserkreis folgte, aus dem ein starker Posaunenchor hervorgegangen ist. Beide werden im Jahr 2014 ihr 100jähriges Bestehen feiern.

Der Evangelische Bürgerverein, 1885 von Lehrer Knüfermann gegründet, nannte sich fortan „Evangelischer Arbeiter und Bürgerverein Königshardt-Walsumer-Mark“.

Zu seiner und zur Freude der Gemeinde spielte Lehrer Knüfermann im Jahre 1914 immer noch Sonntags die Orgel zum Gottesdienst und Bauer Dickmann besorgte den Küsterdienst.

Der Zuzug in die Gemeinde war weiterhin kontinuierlich. Die evangelische Königsschule (Walsumermark-Schule) besuchten 315, die Ev. Roonschule (Königshardt-Schule) 110 Kinder. Im Jahre 1915 zählte die Gemeinde schon 1600 Glieder, wobei die Mehrheit in der Walsumermark wohnte. Die Anzahl der schulpflichtigen Kinder belief sich auf insgesamt 430.

Aufgrund des Zuzuges und des Wachsens der Gemeinde ließ das Presbyterium die Empore in der Kirche für 450 Mark erweitern. Damit hatte die Kirche Platz für 400 Personen. Trotz der Erweiterung war die Ausstattung der Kirche eher dürftig. Außerdem war die Orgel durch Wurmfraß arg beschädigt und die große Glocke hat einen Riss.

Das Presbyterium bestand aus Pfarrer Johannes Blindow, Peter Luft als Kirchmeister, Gerhard Berns, Heinrich Luft, Heinrich Rötters und Hermann Schmelt.

Der Erste Weltkrieg ging nicht spurlos an der Gemeinde vorüber. Viele Tote waren zu beklagen. Eine Tafel mit Namen der Kriegstoten und Vermissten wurde in der Kirche aufgehängt. Die Ernährungslage wurde in den langen Kriegsjahren immer schlechter. Es gab bedürftige Konfirmanden, die von den Kommunen Hiesfeld und Sterkrade eine geringfügige Unterstützung erhielten. Mehrere Schulkinder waren schlecht ernährt, wie es im Bericht des Lehrers Haastert vom Dezember 1916 erwähnt wurde. Um die Kinder des Waisenhauses an der Everslohstraße war es ernährungsmäßig am Schlechtesten bestellt. Die Gutehoffnungshütte half der Kirchengemeinde in zweierlei Hinsicht: Der Arbeiterverein bekam 1916 fünfzig Mark für eine Bescherung bedürftiger Kinder, und der Kirchengemeinde wurden 250 Zentner Kohlen zum Heizen zur Verfügung gestellt.

Als am 1. Juli 1917 die Stadt Sterkrade selbständiger Stadtkreis wurde, 1913 bekam sie das Stadtrecht, erfolgte für die Walsumermark und Schmachtendorf (Sterkrade Nord), bis dahin zur Landgemeinde Hiesfeld gehörend, die Eingemeindung nach Sterkrade. Somit gehörte das ganze Gebiet der Ev. Kirchengemeinde Königshardt nun auch kommunal nach Sterkrade.

Am 5. November 1917 musste die Kirchengemeinde ihre große Glocke, die seit 1873 ihren Ruf über die Königshardt hatte erschallen lassen, zu Kriegszwecken abgeben. Da sie seit längerem einen Riss hatte, war ihr Verlust zu verkraften.

Pfarrer Heinrich Engelbert

Der Krieg war noch nicht beendet, als Pfarrer Blindow am 26. Dezember 1917 die Gemeinde nach wenigen Jahren verließ. Sein Nachfolger wurde ab dem 14. April 1918 Heinrich Engelbert.

Der 1. Weltkrieg, blutig und grausam wie alle Kriege, kostete vielen Königshardtern das Leben. Söhne und Väter starben auf den Schlachtfeldern. Die schlechte Ernährungslage machte sich gerade bei der armen Bevölkerung bemerkbar. Die Sterberate war nach dem „Steckrübenwinter“ 1917 besonders hoch. 49 Personen, davon 11 Kinder, wurden auf dem Friedhof beerdigt.

In die Orgel wurden statt neuer Holzpfeifen, Metallpfeifen aus Zink eingebaut. Zu jener Zeit eine taugliche Notlösung.

1919 feierte die Gemeinde ihr 50jähriges Bestehen. Der Elberfelder Gustav-Adolf-Verein schenkte der Gemeinde wieder eine Bibel. Pfarrer Friedrich Bleier, nunmehr Superintendent, nahm an den Feierlichkeiten teil und schenkte den Königshardtern ein Gedicht.

Am 1. September 1921 stellte die Gemeinde mit Wilhelm Luft-gen. Roll, erstmalig einen hauptamtlichen Küster ein.

Spenden aus der Gemeinde ermöglichen den Kauf einer neuen Glocke. Sie wurde am 18. Januar 1922 bei Petit u. Gebr. Edelbrock in Gescher gegossen, am 27. März angeliefert und am 9. April 1922 feierlich in Dienst gestellt. Sie bekam die Aufschrift: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen (Jes.2,4)“  –  „1873 den ersten Guß ich bot – 1917 ward ich geopfert des Vaterlands Not – 1922 rief ich von neuem zu unseren Gott“.

1923 wurden die Kirchenkreise im Rheinisch-Westfälischen-Industriegebiet neu strukturiert. Königshardt gehörte jetzt zum Kirchenkreis Dinslaken und nicht mehr zur Synode Duisburg.

Bereits am 11. Oktober des Jahres 1926 verließ Pfarrer Heinrich Engelbert die Königshardt. Doch zuvor, rechtzeitig zur Feier zum 150jährigen Bestehen der Königshardt, veröffentlicht er sein Buch:  „Die ehemalige Pfälzerkolonie Königshardt – Entstehung und Geschichte in den ersten 100 Jahren“. Damit schuf Heinrich Engelbert ein bedeutsames Standardwerk über den geschichtlichen Werdegang der Königshardt.

Die Zahl der Gemeindeglieder war im ersten Vierteljahrhundert schon wieder gestiegen und betrugt nunmehr 1720. Die Königshardter Männer waren hauptsächlichen Bergleute und Fabrikarbeiter. Die Gutehoffnungshütte (GHH) war bei weitem der größter Arbeitgeber.

Pfarrer Paul Barchewitz

Zum neuen Pfarrer wählte die Gemeinde Paul Barchewitz. Er trat am 5. Dezember 1926 seinen Dienst an. Frau Barchewitz, ausgebildete Musikerin, übernahm die Leitung des Kirchenchores. Pfarrer Barchewitz bemühte sich sogleich um ein neues Jugendhaus dass bereits Pfarrer Engelbert auf den Weg gebracht hatte. Um den Jugendlichen der Gemeinde eine Heimstatt zu schaffen, erhielt die Gemeinde 1926 eine 300 m² große Holzbaracke aus Köln-Wahn, die als Jugendhaus und als Gemeindesaal genutzt werden konnte. 450 Personen fanden darin ihren Platz. Die Baracke stammte aus einem Kriegsgefangenenlager, in der gefangene Offiziere untergebracht waren.

1929 machten sich einige Sängerinnen des Kirchenchores selbständig und schlossen sich 1931 dem MGV-Sangeslust an, der sich danach, bis heute, Chorgemeinschaft nannte.

Die Gemeinde wuchs durch Zuzug mittlerweile auf 1800 Glieder. Eine weitere Bevölkerungszunahme war absehbar. Während der wirtschaftlichen Krisen und Notzeiten, in deren Verlauf auch viele Königshardter arbeitslos wurden, halfen sich viele Familien durch Anbau von Garten- und Feldfrüchten in ihren großen Gärten sowie durch Haltung von Kleinvieh.

Am 8. Januar 1930 führte die größere Kirchenvertretung den kleinen Katechismus Martin Luthers ein. Im Jahr 1933 zu Luthers Geburtstag (10. November), wurde nach einem Festgottesdienst auf dem Friedhof zu Ehren des Reformators, im Rahmen eines Festaktes eine „Luthereiche“ gepflanzt. Sie steht  als markantes Naturdenkmal immer noch im hinteren Teil des Friedhofs, mitten im Hauptweg.

Der Gottesdienst zur Erinnerung an Luthers Bedeutung für den Protestantismus wurde mit der lutherischen Liturgie gefeiert.

1936 hatte die Evangelische Kirchengemeinde bereits 2000 Glieder, denn ab 1. Oktober wurden einige Anwohner der Kronprinzenstraße (Erzberger Straße), bis zur Jägerstraße, alle Anwohner der Eupen- und Malmedystraße sowie Anwohner der Kirchhellener Straße (ab Hausnummer 185) und teilweise Anwohner des Kleekamps eingemeindet. Denn die neue Autobahn bildete nun die Gemeindegrenze.  (Das Dreieck zwischen der Kirchhellener Straße, Fernewaldstraße und Autobahn blieb bei der Kirchengemeinde Sterkrade. Hier errichtete die Frauenhilfe Sterkrade 1949/50 das Haus Gottesdank). Der Kindergottesdienst nach dem sonntäglichen Gottesdienst hatte in der Gemeinde einen sehr hohen Stellenwert. Etwa 100 Kinder besuchen durchschnittlich die Sonntagsschule, sprich Kindergottesdienst.

Während der Zeit des Nationalsozialismus verliefen die Auseinandersetzungen innerhalb der Gemeinde zwischen den „Deutschen Christen“ und der „Bekennenden Kirche“ ausgesprochen hitzig und nicht ohne Blessuren. Pfarrer Barchewitz war deutlicher Verfechter der „Barmer theologischen Erklärung“. Die den Nationalsozialisten nahestehenden „Deutschen Christen“ (DC) hatten die Mehrheit im Presbyterium und stellten mit Pfarrer Ley, einem Duisburger, den Vorsitz.

Selbst Frau Barchewitz wurde bespitzelt, denn sie kaufte in jüdischen Geschäften in Sterkrade ein. Verbale aber auch handgreifliche Auseinandersetzungen zwischen den Presbytern, wegen der Verwendung der Kollekten, wurden registriert. NS-Spitzel nahmen am sonntäglichen Gottesdienst teil und machten sich Notizen. Pfarrer Barchewitz teilte diesen Leuten von der Kanzel aus mit, dass sie sich den Predigttext nach dem Gottesdienst bei ihm abholen könnten. Mehrfach wurde berichtet, dass ein NS-Mann nach dem Gottesdienst bei Pfarrer Barchewitz anschellte. Um so größer war sein Erstaunen, als ihm der Pfarrer in Militäruniform öffnete. Pfarrer Barchewitz tat nämlich als Reserveoffizier Dienst und trug manchmal sonntags, so wurde erzählt, eine Uniform unter dem Talar. Diese Offiziersuniform hat ihn vor Schlimmeren verschont. Die von der Gestapo angelegte umfangreiche Akte belegt, dass es zahlreiche Versuche gegeben hat, ihm Schwierigkeiten zu bereiten.

Die Jugendorganisationen der Gemeinde wurden egalisiert und im Sinne des Regimes gleichgeschaltet. 1939 verlor die traditionsreiche „Königshardtschule“ ihren Namen und ihren Charakter als Volksschule, denn sie wurde in eine Hilfsschule (heute: Sonderschule) umgewandelt.

Seit dem 1. September 1939 herrschte schon wieder Krieg in Deutschland und Europa. Leid kam über die Bevölkerung. Väter, Ehemänner, Söhne und Brüder starben auf den Kriegsschauplätzen Europas. Ein Buch mit den Namen aller Gefallenen und Vermissten beider Weltkriege in der Gedenkstätte, im Eingangsbereich der Kirche, erinnert daran.

1943 musste die Kirchengemeinde zu Kriegszwecken ihre 1922 erworbenen Glocke wieder opfern. Die „Pflüge und Sicheln“ sollten abermals zu „Schwertern und Spieße“ umgegossen werden.

Als Königshardt Kampfgebiet wurde, rollten Panzer durch den Hiesfelder Wald heran und lieferten sich mit der Flak an der Hohe Straße Gefechte. Am 27. März 1945 hatten die amerikanischen Truppen Königshardt besetzt. Teile der Bevölkerung wurden mehrere Tagen in der Kirche eingesperrt.

Als der Krieg vorbei war, machte sich Entspannung breit, von Normalität konnte aber noch nicht wieder die Rede sein. Pfarrer Paul Barchewitz wurde von der amerikanischen Besatzungsbehörde für den Stadtteil Königshardt zum kommissarischen Bürgermeister bis zum 31. August eingesetzt, da er als Gegner des nationalsozialistischen Systems als politisch zuverlässig galt. In die Kirchenchronik trug Pfarrer Barchewitz für diese Zeit später ein: „Der NSDAP-Teufel ist beseitigt!“ Über das Jahr 1946 schrieb Barchewitz: „Das Jahr war ein Notjahr in ernährungsmäßiger, sozialer, gesundheitlicher Art. Die Moral der Menschen ließ weitgehend zu wünschen übrig“.

Als erster Gemeindekreis nahm der Kirchenchor 1946 mit 40 jungen Leuten unter dem Chorleiter Emil Horstmann seine Probearbeit und seinen Dienst in der Gemeinde wieder auf. 1950 beschloss das Presbyterium auf der Grundlage des Gesetzes vom 15. Februar 1950 die Erhebung eines Kirchgeldes für verschiedene Aufgaben in der Gemeinde.

Auch die alte Königshardtschule hatte im Krieg Schäden davon getragen. Um den Schulbetrieb wieder aufnehmen zu können, haben Königshardter Bürger in Eigenleistung, allen voran Glieder der Kirchengemeinde, zwei Klassenräume im Laufe des Jahres 1950 wiederhergestellt. Die feierliche Eröffnung fand im Beisein des Kulturdezernenten der Stadt Oberhausen statt.

Nach knapp 30 Jahren trugen wiederum viele Gemeindeglieder durch Spenden dazu bei, eine neue Glocke anzuschaffen. Mit 86 cm Durchmesser und einem Gewicht von 370 kg lieferte die Glockengießerei Petit & Edelbrock aus Gescher eine Bronzeglocke zum Preis von DM 2368,-. Ihre Inschrift lautete, wie schon bei ihren beiden Vorgängerglocken: „Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen“ Jes. 2.4..

Die Geschichte der Königshardter Glocken rechtfertigt die Bezeichnung „Friedensglocke“ für die neue Glocke, die nach zwei Weltkriegen ihren Ruf über die Königshardt ertönen ließ. Am 31. Oktober 1951, dem Reformationstag, wurde sie am Haus Gottesdank feierlich in Empfang genommen.

Ein allgemeiner wirtschaftlicher Aufschwung in der neuen Bundesrepublik Deutschland erfasste auch Königshardt. Am 15. April des Jahres 1951 wurde der Grundstein für ein neues Jugendheim gelegt. Die im Krieg und in der Nachkriegszeit arg mitgenommene Baracke von 1926, die als Jugendheim und Gemeindesaal und einige Jahre als NSV-Kindergarten gedient hatte, konnte nur noch abgebrochen werden. Die Behörden hatten in den Kriegsjahren das Gebäude auch als Autoreparaturwerkstatt, Magazin für Pressstroh, Schuhmacherwerkstatt und als Kuhstall umfunktioniert. Die Tragbalken des Fußbodens waren gebrochen. Den Rest gab ein Artillerietreffer und Einschläge schwerer Bomben in unmittelbarer Nachbarschaft, die den Oberbau stark erschütterten. Nach 25 Jahren musste Pfarrer Barchewitz wieder einen Bauantrag für ein neues Jugendheim stellen. Es wurde nahezu völlig in freiwilliger Eigenleistung von engagierten Gemeindeglieder und Jugendlichen neu erbaut. Das Gebäude konnte am 1. Advent 1952 eingeweiht werden.

1954 schied die Kirchengemeinde aus dem Kirchenkreis Dinslaken aus und gehörte nun zum neu gebildeten Kirchenkreis Oberhausen, der das ganze Stadtgebiet umfasste.

Die Bautätigkeit in der Gemeinde fand in mehrfacher Hinsicht ihre Fortsetzung. Um der Wohnungsnot Abhilfe zu schaffen, wurde das Pfarrhaus am Buchenweg umgebaut und erhielt eine Küsterwohnung und vier weitere Wohnungen für Flüchtlinge. An der Prinzenstraße entstand 1954 ein neues Gebäude mit einem Gemeinde-Kindergarten, einer Pfarrwohnung für Pfarrer Barchewitz mit seiner Familie sowie einer Wohnung für die Kindergartenleiterin Hertha Strehlow.

Einen tiefgreifenden Einschnitt für das Gemeindeleben stellte die baupolizeiliche Sperrung der erst 84 Jahre alten Kirche im Juli 1956 dar. Wegen akuter Einsturzgefahr des morschen Gebälks durfte die Kirche nicht mehr betreten werden. Die Glocken wurden auf einem provisorischem Glockenstuhl zwischen Kirche und Jugendhaus umquartiert. Das Jugendhaus wurde als Gottesdienstraum genutzt. Ein Harmonium ersetzte die Orgel.

Pfarrer Johannes Neuenhaus

Pfarrer Paul Barchewitz ging nach 30 Dienstjahren in Königshardt, am 27. Mai 1956, in den Ruhestand. Nachfolger wurde am 2. Dezember 1956 Johannes Neuenhaus. Warum er als „Baupastor“ in die Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Königshardt eingegangen ist, werden die Ereignisse der Folgejahre eindrucksvoll belegen.

Nach ersten Überlegungen eine Erweiterung der alten Kirche vorzunehmen, entschloss sich das Presbyterium für den Abriss der alten und für den Neubau einer größeren Kirche, zumal die Gemeinde schon auf 2850 Glieder angewachsen war. Mit einer Erweiterung der Kirche war der nach Norden wandernde Steinkohlenbergbau nicht einverstanden, weil durch Anbau der Fundamente größere Bergschäden entstehen konnten.

Die Vorarbeiten für den Kirchenneubau begannen ab Januar 1957 mit dem Fällen aller Linden, die 1874 um die Kirche herum gepflanzt worden waren. Im Februar wurden die Abrissarbeiten in Eigenleistung mit Pferdegespannen und Traktoren in Angriff genommen. Nur der untere Teil des Turms blieb auf Anraten des Architekten stehen und sollte in das neue Kirchengebäude integriert werden. Am 30. Mai 1957 wurde in einem feierlichen Akt der Grundstein für die zweite evangelische Kirche in Königshardt, an gleicher Stelle, gelegt. Architekt des Neubaus war Rudolf Schwarz, zugleich auch Presbyter in der Gemeinde.

Großes Aufsehen erregte eine Buchausstellung von elf Oberhausener Buchhändlern, die ihre Exponate im November 1957 unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Luise Albertz im Königshardter Gemeindesaal präsentierten.

Am 23. März 1958 konnte die Einweihung der neuen größeren Kirche mit seinem 21 Meter hohen Turm begangen werden den jetzt ein Engel mit Posaune statt eines Hahns zierte. Die Baukosten betrugen DM 250 000,00. Zu den zwei Glocken gesellte sich noch eine dritte größere Glocke hinzu.

Sie bekam die Inschrift: „Dient dem Herrn mit Freuden kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken“. Gegossen wurde sie von der Glockengießerei Rinker, Sinn im Dillkreis.

Die kleine Glocke von 1873, die nicht ganz tonrein war, wurde überarbeitet. Den Glockenstuhl lieferte ebenfalls die Firma Rinkler. Die elektrische Läuteanlage dazu lieferte die Firma Bockelmann. Schreinermeister und aktives Gemeindeglied Friedrich Hettkamp vom Höhenweg fertigt das Altarkreuz aus Eichenholz in Handarbeit an und schenkt es der Kirche seiner Heimatgemeinde. Auch die Eingangstür der Kirche, die ein Sonnenmotiv zierte, stellte Friedrich Hettkamp in seiner Werkstatt her.

Selbst Bundespräsident Heuß wurde auf den Neubau der Kirche aufmerksam und stiftete eine Altarbibel (Heuss-Bibel) mit einer persönlichen, handschriftlichen Widmung, die als Losung der neuen Kirche betrachtet werden kann: „Fragt nach den vorigen Wegen, welches der gute Weg sei, und wandelt darin, so werdet Ihr Ruhe finden für Eure Seele!“ (Jer. 6,16).

Auf einem, an der Königshardter Straße gelegenes Grundstück, dass die Gemeinde unter Auflagen geschenkt bekam, errichtet sie 1959 zwei Wohnhäuser im Zuge des sozialen Wohnungsbaus. Architekt war wieder Rudolf Schwarz. Eine Notwendigkeit zum Häuserbau ergab sich aus der Tatsache, dass Ersatz für die vier, im alten abbruchreifen, ebenfalls vom Holzwurm befallenen Pastorat, wohnenden Familien geschaffen werden musste. Frau Elisabeth Sträter erhielt als Vorbesitzerin des Grundstücks in einem der Häuser freies Wohnen. Die Baukosten für beide Häuser beliefen sich auf DM 105.000,00.

Ein Jahr nach Einweihung der neuen Kirche bekam sie auch eine neue Orgel, in der Teile der alten Orgel eingebaut wurden. Den Auftrag führte die Orgelbaufirma Bürckle aus Schwelm aus.

Der Vorsitzende der Sterkrader Interessen Gemeinschaft (STIG), Rechtsanwalt Dr. Mandelarzt der in Königshardt wohnte, schenkt der Gemeinde am 4. Oktober 1959 ein Denkmal. Es war eine Bronzestatue die einen „Sämann“ darstellte und einen Platz rechts neben der Kirche fand. Leider konnte das Kunstwerk nur wenige Jahre bewundert werden. Als der Buchenweg als innerstädtische Straße ausgebaut wurde, wurde die Bronzefigur vom Sockel gestohlen und tauchte nie wieder auf.

Es hatte sich bewährt, dass der Küster in unmittelbarer Nähe des Gemeindezentrums wohnte. Deshalb ließ die Gemeinde 1960 am Gemeindehaus eine moderne Küsterwohnung anbauen.

Dem Presbyterium gehörten in jener Zeit an: Pfarrer Johannes Neuenhaus als Vorsitzender, Hermann Neuhaus als Kirchmeister, Wilhelm Endemann, Emil Grans, Siegfried Hebel, Wilhelm Luft, Wilhelm Luft-Scholten, Erich Pärschke und Bernhard Schmidt. Die Leitung des Gemeindeamtes hatte Elisabeth Becks. Küster war Adolf Metzler. Emil Horstmann war Organist und Leiter des Kirchenchores, und Willi Dickmann leitete seit 1954 den Posaunenchor.

Das alte Pfarrhaus, dessen Dachstuhl genau wie die Kirche vom Holzbock befallen war, wurde bis auf die Grundmauern abgerissen. Ebenso der 1879 errichtete Konfirmandenraum. Die Grundmauern kamen teilweise beim Ausheben der „Regenwasserversickerungsmulde“ im Herbst 1999 wieder zum Vorschein.

Die rege Bautätigkeit in der Amtszeit von Pfarrer Johannes Neuenhaus war noch längst nicht zu Ende. Das neue Pfarrhaus mit einem modernen Gemeindeamt entstand 1961, quasi im Gemüsegarten des alten Pfarrhauses. Dieses Pfarrhaus bezog dann Pfarrer Neuenhaus mit seiner Familie. Bisher wohnte er an der Prinzenstraße im Hause des Kindergartens.

Siegbert Brempohl folgte Emil Horstmann am 1. Januar 1962 als Kirchenmusiker und Kirchenchorleiter, allerdings nicht mehr als Nebenamt, sondern hauptamtlich. Fünf Jahre später im Jahre 1967 übernahm dann Manfred Stubbe die Leitung des Kirchenchores und die Stelle des Kirchenmusikers. Leiter des Posaunenchores blieb Willi Dickmann.

1964 erhielt dann auch die neue Kirche am Buchenweg eine Turmuhr. Im Jahr darauf, 1965, konnte die dringend benötigte Friedhofshalle für 45.000 DM errichtet werden. Im gleichen Jahr wurde das Gemeindehaus mit einem Kostenaufwand von DM 140.000 erweitert und erhielt einige Räume für die Jugend. Im Jahr 1965, 162 Jahren nach ihrer Eröffnung, stellte die Stadt Oberhausen den Schulbetrieb der ersten Schule auf Königshardt von 1803 endgültig ein.

Ebenfalls 1965 bekam die Kirchengemeinde gleich zwei neue katholische Nachbargemeinden. Die St. Barbara-Pfarre löste sich von St. Clemens in Sterkrade, und die Expositur St. Theresia der Schmachtendorfer St. Joseph-Pfarre sollte sich mit einem Gemeindezentrum zwischen Holland-Autobahn und Hiesfelder Wald als eigenständige Gemeinde etablieren. Während des beginnenden Gemeindelebens der neu entstehenden katholischen Kirchengemeinde St. Theresia vom Kinde Jesu stellte die Evangelische Kirchengemeinde ihren Gemeindesaal und andere Räume zur Verfügung.

Die Bürkle-Orgel der Kirche genügte längst nicht den Ansprüchen der Gemeinde und wurde 1968 erweitert.

Ebenfalls 1968 stellte die Gemeinde Frau Helga Landmann als hauptamtliche Altenpflegerin ein. Sie war ein Segen für die älteren Gemeindeglieder, wie sich bald herausstellte.

Auf Wunsch von Pfarrer Neuenhaus gab die Gemeinde ab 1972 unter der Leitung von Gerhard Wolf und Albert Lantermann einen Gemeindebrief heraus. Diese Tradition hat sich bis heute fortgesetzt und ist durch Petra Marzahn und Heiko Althoff weiterentwickelt worden. Der Gemeindebrief erscheint  vierteljährlich. 1992 und 2004 sind Sonderausgaben veröffentlicht worden, die der Gemeinde einen detaillierten Überblick über alle Aktivitäten des Gemeindelebens präsentierte. Nach der Fusion mit Schmachtendorf, gibt die neue Ev. Gemeinde „Königshardt-Schmachtendorf“ einen Gemeindebrief mit dem Titel „Gemeindebote“ heraus. Auch 1972 entstand über dem Gemeindeamt eine kleine Appartementwohnung.

Mit einer Festwoche vom 15.-22. Oktober 1972 erinnerte die Gemeinde an die Einweihung der ersten Kirche vor 100 Jahren auf der Königshardt.

Kirchen- wie Posaunenchor waren in jener Zeit mitgliederstark und musizieren zur Freude der Gemeindeglieder. Der damals fast 60jährige Kirchenchor zählte 35 Mitglieder: 22 Frauen und 13 Männer. 25% der Mitglieder sind Jugendliche. Unter diesen Voraussetzungen war es nicht verwunderlich, dass die Empore der Kirche zu klein wurde und 1973 erweitert werden musste. Posaunen- und Kirchenchor haben seither genügend Platz neben der Orgel.

Wieder einmal vergrößert sich die Gemeinde durch Zuzug. Im Jahre 1973 wurde der Friedhof zur Prinzenstraße hin erweitert. Außerdem bekam der ganze Friedhof eine neue Einzäunung. 1973 gab die Gemeinde eine Neuauflage des 1926 erschienenen Buches von Pfarrer Engelbert über die ersten 100 Jahre der ehemaligen Pfälzerkolonie Königshardt in Auftrag. Diese Neuauflage stieß auf reges Interesse und war schon bald vergriffen.

Da die Nachfrage nach Kindergartenplätzen ständig wuchs, musste die Gemeinde reagieren. In der Nachbarschaft zum bisherigen Kindergarten bekam die Gemeinde durch Grundstückstausch einen günstigen Bauplatz. Hier entstand nicht nur ein neuer Kindergarten, sondern auch ein neues Jugendhaus und eine Mitarbeiterwohnung. Im November 1974 konnte der neue Kindergarten und das Jugendhaus an der Prinzenstraße 13a bezogen werden. Der Kindergarten hatte Räumlichkeiten für drei Gruppen mit 90 Kindern. Die Kosten beliefen sich auf 1.069.000,- DM. Architekt des gesamten Bauvorhabens war, wie in der Vergangenheit, Rudolf Schwarz. Der alte Kindergarten wurde für Wohnzwecke umgebaut. Begleitet wurden die Bauvorhaben von Pfarrer J. Neuenhaus.

Als hauptamtliche Kraft löste Ute Hettkamp am 1. April 1976 Emil Grans im Gemeindeamt ab. Ein Jahr später stellte die Gemeinde mit Hermann Kraneberg einen hauptamtlichen Mitarbeiter für die Jugendarbeit ein. Ebenfalls 1976 wurden alle Soldatengräber auf Veranlassung der Deutschen Kriegsgräberfürsorge in der vorderen Teil des Friedhofes verlegt. Für die weitere Pflege übernahm die Deutsche Kriegsgräberfürsorge die Verantwortung.

Der Bezirksverband Rhein-Lippe des Posaunenwerkes der EKiR veranstaltet mit etwa 110 Bläser am 2. Juli 1977 ein erfolgreiches Bläserkonzert.

Die erneute Erweiterungen des Gemeindehauses und die Vergrößerung der Küsterwohnung wurden im Oktober 1977 abgeschlossen. Der Gemeindesaal ist seitdem höher und größer geworden und lässt sich durch eine Falttüre in zwei Räume trennen.

Wegen des weiteren Anwachsends der Gemeinde auf nunmehr 5200 Glieder und aufgrund der weiterhin zu erwartenden Bautätigkeit auf der Königshardt beantragt das Presbyterium am 23. Januar 1978 die Errichtung einer zweiten Pfarrstelle. Am 31. Juli 1978 sprach das Landeskirchenamt die grundsätzliche Genehmigung hierzu aus, machte aber die Besetzung dieser zweiten Stelle vom Vorhandensein einer Pfarrwohnung abhängig.

Fast zeitgleich wurde ein zweites Pfarrhaus auf dem gemeindeeigenen Grundstück zwischen dem älteren Pfarrhaus und dem Gemeindefriedhof errichtet. Auch hier haben Pfarrer Neuenhaus und Architekt Rudolf Schwarz zusammen geplant.

Am 1. April 1980 wurde Hilfsprediger Ralf Wiese eingestellt und als Pastor ordiniert. Er übernahm vorübergehend die Pfarrstelle für den neuen Bezirk 2, schied aber nach einem halben Jahr Hilfstätigkeit wieder aus. Zum Vorsitzenden des Presbyteriums wurde am 21. April 1980 Presbyter und Lehrer Gerhard Wolf gewählt. Erstmals war ein Laie für längere Zeit Vorsitzender der Kirchengemeinde.

Am 1. Juni 1980 schlossen sich auf der Grundlage des § 3 des Kirchengesetzes (Verbandsgesetz) vom 18.1.1963 (KABL 1963) die Gemeindeämter der Auferstehungsgemeinde Osterfeld, der Apostelkirchengemeinde Tackenberg, der Kirchengemeinde Schmachtendorf und der Kirchengemeinde Königshardt mit Sitz in Osterfeld (Vestische Straße 88) zusammen. Amtsleiter wurde Manfred Stubbe. Im Königshardter Gemeindeamt verblieb eine Teilzeitkraft.

Im Alter von 67 Jahren trat Bau-Pastor Johannes Neuenhaus am 30. Juni 1980 in den Ruhestand. Den Gottesdienst zu seiner Verabschiedung beging die Gemeinde auf Wunsch des scheidenden Pfarrers im September.

 

Pfarrer Reinhard Dreßler, Pfarrbezirk 1 – Pfarrerin Ingeborg Röttger-Nolzen, Pfarrbezirk 2

Mit dem Ruhestand von Pfr. J. Neuenhaus waren nun beide Pfarrbezirke, Bezirk 1 Walsumermark und der neue Bezirk 2, Königshardt, vakant.

Trotz der besonderen Bedingung nahm das Gemeindeleben seinen gewohnten Lauf. Am 1. Dezember 1980 stellte die Gemeinde Manfred Peters als Küster ein. Das große Seitenfenster der Kirche musste im April 1981 wegen Undichtigkeit und Rostschäden erneuert werden. Der Entwurf und die Ausführung der neuen Fenstergestaltung übernahm Peter Stommel aus Bottrop. Das Motiv „Die Schöpfung“ und die wärmetechnische Ausführung wurden von der Gemeinde als gelungen eingeschätzt und akzeptiert. Die Kirche bekam außerdem innen einen neuen Anstrich. Im gleichen Jahr schied nach zweiundzwanzig Dienstjahren die Leiterin des Kindergartens, Frau Elisabeth Illy aus. Elke Föste wurde ihre Nachfolgerin.

Mit Reinhard Dreßler, der am 7. Oktober 1981 zum Pfarrer für den Bezirk 1 gewählt wurde, war die vakante Zeit dieses Bezirkes beendet.

Pastor im Hilfsdienst Dietrich Reuter betreute den Pfarrbezirk 2 nur ein Jahr lang. Da er in der Gemeinde nicht Fuß fassen konnte, wurde er zunächst nach Duisburg-Laar versetzt.

Die Vakanz im Bezirk 2 dauert noch einmal bis zum 4. Dezember 1983. Zu diesem Zeitpunkt übernahm Pfarrerin Ingeborg Röttger-Nolzen als erste Frau in Königshardt einen Pfarrbezirk. Zuvor war sie Krankenhausseelsorgerin in Dinslaken. Sie war übrigens eine der ersten Frauen in der Rheinischen Landeskirche, die Mitte der 1960er Jahre eine Pfarrstelle innehatte. Es war die des neu gebildeten Sterkrader 4. Bezirkes, Mozartstraße.

Im Juni 1984 eröffnen aktive Frauen der Gemeinde die Cafeteria als Begegnungsstätte im Gemeindehaus. Die Tagesstätte war zunächst täglich am Nachmittag geöffnet. Angeboten wurden von freiwilligen Helferinnen Kaffee, Kuchen und Erfrischungsgetränke. Im Laufe der Zeit hatte sich die  Öffnungszeit nur auf den Sonntagnachmittag verlagert. Diese Einrichtung erfreute sich großer Beliebtheit und war für viele ein regelmäßig besuchter Ort der Begegnung.

Ebenfalls 1984 übernahm Ortwin Benninghoff das Amt des Kantors und Chorleiters. Die langjährige Altenpflegerin Helga Landmann wurde am 31. März 1985 verabschiedet.

Im gleichen Jahr beging das Evangelische Männerwerk, als Nachfolge des Evangelischen Bürgervereins „Eintracht“, sein 100jähriges Bestehen. Eine Festschrift und ein Motivteller mit der alten und der neuen Kirche wurde herausgegeben.

In der Gemeinde hatten sich bereits in der Zeit von Pfr. Neuenhaus mehrere Kreise gebildet. Es waren dies der Frauenabendkreis mit Leitung von Irmgard Morbach; der Handarbeitskreis unter der Leitung von Anni Knorr; der Frauengesprächskreis Haus-Gottesdank mit Leitung von Frau Pfarrerin I. Röttger-Nolzen; der Seniorenklub; ein Elterngesprächskreis, Leitung Dorothea Wolf; ein Ehepaarkreis; eine Frühstücksrunde mit Leitung von Renate Dickmann; Blockflötenkreis und Kinderchor, Leitung K. Jahn; Singekreis, Leitung Christel Mühlich sowie eine Angehörigengruppe mit Schwester Gerhild. Alle Pfarrer beteiligten sich bei den Betreuungen der Kreise.

Während einer ökumenischen Bibelwoche im Januar 1986 präsentierte der Buchhändler Rudolf W. Stek aus Neumühl kostbare Faksimiles alter und seltener Bibelausgaben.

Im gleichen Jahr gehört Johannes Rudolph dem Posaunenchor 65 Jahre an. Er war somit bereits seit 1921, als der Chor gerade 7 Jahre bestand, aktiver Bläser.

Winfried Meyer wurde auf der Jahreshauptversammlung am 15. März 1987 als Nachfolger von Erwin Liedke zum 1. Obmann des Männerwerkes gewählt. Erwin Liedke wurde zum Ehrenobmann ernannt. Die Frauenhilfe wurde in jenen Jahren von Gertraud (Traudchen) Wolf geleitet.

Das Gemeindeamt erhielt 1987 seine Selbständigkeit zurück, weil es alleine kostengünstiger arbeiten konnte. Amtsleiterin wurde Petra Marzahn, die schon in Osterfeld die Belange der Königshardter Gemeinde wahrgenommen und bearbeitet hatte.

 

Pfarrer Thomas Levin und Pfarrerin Ruth Levin, Pfarrbezirk 2

Thomas Levin wurde als Pastor im Hilfsdienst ab 1. Oktober 1987 der Pfarrerin Ingeborg Röttger-Nolzen für den Bezirk 2 zur Seite gestellt. Schon am 17. Januar 1988 erfolgte seine Ordinierung. Er entlastete die erkrankte Pfarrerin Röttger-Nolzen sehr. Von ihrer schweren Krankheit erholte sich Frau Röttger-Nolzen nicht mehr. Sie verstarb am 27. September 1988.

Zusammen mit ihrem Mann Thomas Levin teilte sich Pfarrerin Ruth Levin ab dem 18. Dezember 1988 den Bezirk 2.

Zum 75jährigen Jubiläum des Posaunenchores 1989 fand im Oktober ein Jubiläumskonzert mit einem Bezirksbläsertreffen im Gemeindezentrum statt.

Im August 1991 knüpfen das Pfarrerehepaar Ruth und Thomas Levin und der Presbyter Ernst Mölleken erste Kontakte zu der evangelischen Diaspora-Kirchengemeinde in Mikolajki / Nikolaiken im ehemaligen Ostpreußen und heutigem Polen.

Beim ersten Besuch von Vertretern der evangelischen Kirchengemeinde Nikolaiken überreicht Pfarrer Cudek unserer Gemeinde ein Holzkreuz, dessen Enden die Form von Windmühlenflügeln haben. Das Kreuz hängt zwischen Altar und Tauffenster in der Kirche.

Marianne Hansen nahm am 1. Oktober 1991 ihre Tätigkeit als Verantwortliche für das Rechnungswesen und die Buchhaltung der Gemeinde auf.

Für die 5150 Gemeindeglieder wurden im Laufe des Jahres 1991, 98 Gottesdienste, vier Familiengottesdienste, 44 Kindergottesdienste, 56 Taufen, 47 Konfirmationen, 15 Trauungen und 38 Beerdigungen durchgeführt. Sieben Kircheneintritte und 52 Austritte waren zu verzeichnen.

Die Friedhofsgärtnerei Rak aus Sterkrade führte ab Juli 1992 die Arbeiten auf dem Gemeindefriedhof aus, die bisher in den Aufgabenbereich des Küsters fielen.

1993 traten im Gemeindezentrum die ersten Bergschäden auf. Erdbebenähnliche Erschütterungen im Wohngebiet Walsumermark beunruhigen die Bevölkerung.

Horst Demski, bisheriger Hausmeister des Kindergartens und des Jugendheimes, ging in den Ruhestand. Sein Nachfolger wurde ab 1. Juli 1993 Achim Wagner.

Nach vierzig erfolgreichen Jahren übergab Willi Dickmann im November 1994 die Leitung des Posaunenchores an seinem Nachfolger Michael Dickmann.

Wiederum gab es einen Wechsel in der Leitung des Kindergartens. Am 28. August 1995 wurde Erika Adamczyk Kindergartenleiterin. Zuvor hatten Frau Bryholm und Frau Neiß die Leiterinnenstelle inne gehabt.

Im Laufe des Jahres 1995 wurden neue Räume für eine vierte Kindergartengruppe im Gebäude an der Prinzenstraße gebaut und eingerichtet, die am 1. Oktober den 25 erwartungsfrohen Kindern und deren Betreuungskräften übergeben werden konnten.

Nach langer Ansparphase begann am 17. September 1996 der Aufbau der neuen Mohrmann-Orgel durch den Orgelbaumeister Reinhard Hüfken, in dessen Halberstädter Werkstatt die Orgel vorgefertigt wurde. Die Kosten beliefen sich auf DM 414.690,00. Am 6. Dezember erfolgte im Auftrag der Landeskirche die Abnahme durch Herrn Eumann. Er gratuliert der Gemeinde zu diesem hervorragenden Klangkörper, der seinen Platz auf der Fensterseite der Empore unserer Kirche fand.

Schon am 8. Dezember wurde die neue Mohrmann-Orgel im Rahmen einer musikalischen Festveranstaltung eingeweiht. Die neue Orgel besteht aus dem Hauptwerk und Rückpositiv. Die 1416 Pfeifen sind in 22 Registern zusammengefasst und werden durch das Manual und Pedal sowie durch die Registerzüge bedient.

Eine Festwoche zur 125jährige Wiederkehr der Fertigstellung der ersten Königshardter Kirche beging die Gemeinde ab 23. Oktober 1997. Zum Andenken an diesen Tag wurde eine Linde im Eingangsbereich des Gemeindehauses, vor dem Pfarrhaus 2, gepflanzt. Außerdem wurde auf dem Flachdach des Kindergartens an der Prinzenstraße eine Photovoltaikanlage mit einer Leistung von 1,87 kW in Betrieb genommen. Eine Erweiterung erfuhr die Anlage im Herbst 2002 mit weiteren 1,87 kW. Eine Ausstellung in der Kirche und in den Vitrinen des Gemeindehauses dokumentierte die vielfältigen Aktivitäten, die ein reges und lebendiges Königshardter Gemeindeleben widerspiegelte.

Der 11. Oberhausener Weihnachtstaler 1997, herausgegeben von der Stadtsparkasse Oberhausen, zeigte auf seiner Vorderseite die neue und auf der Rückseite die alte evangelische Kirche am Buchenweg. Zur Jubiläumszeit zählte die Gemeinde 5042 Glieder.

Zu jener Zeit waren Reinhard Dreßler (Bez. 1) und Thomas Levin (Bez. 2) als Pfarrer tätig. Pfarrerin Ruth Levin (Bez. 2) war wegen Familienzuwachses beurlaubt. Dem Presbyterium gehörten an: Thomas Levin (Pfarrer und Vorsitzender), Reinhard Dreßler (Pfarrer), Christel Mühlich (stellvertretende Vorsitzende), Peter Gnaudschun (Kirchmeister), Michael Senger (stellvertretender Kirchmeister), Udo Kaldenhoven, Ullrich Mölleken, Hannelore Moroni, Helga Reker, Ingelore Wolters sowie als Vertreter der Mitarbeiter: Elke Pal und Manfred Peters. Kirchliche Mitarbeiter waren: Manfred Peters (Küster), Petra Marzahn (Leiterin des Gemeindeamtes), Marianne Hansen und Ute Hettkamp (Verwaltungsangestellte), Annette Heber (Kirchenmusikerin und Leiterin des Kirchenchores), Gisela Dorsch (Altenpflegerin), Angelika Peters (Gemeindeschwester), Marion Frey (Gemeindeschwesterhelferin), Erika Adamcyk (Leiterin des Kindergartens), Petra Töpfer (Gruppenleiterin und Vertreterin der Leiterin), Petra Pohl, Claudia Schleusener, und Renate Stäblein (Gruppenleiterinnen), Elke Föste, Gabriele Neiß, Barbara Jansen, Denise Münch und Monika Schoeder (Ergänzungskräfte), Martina Kubler (Leiterin des Jugendhauses), Achim Wagner (Hausmeister im Kindergarten und Jugendhaus), Michael Dickmann (Leiter des Posaunenchores), Michael Rak (Friedhofsgärtner), Helga Dembski, Hannelore Galbarsch, Margarete Lindemanns und Heidi Wagner (Raumpflegerinnen), Frank Gördes (abschiednehmender Zivildienstleistender), Robert Fischer (Zivildienstleistender) sowie Heiko Althoff (technisch-kundiger Berater für die Kommunikationsgeräte und Datenträger des Gemeindeamtes).

Am 1. März 1998 gab die Kirchengemeinde den „Almanach Königshardt – Walsumermark“ aus Anlass des 125jährigen Bestehens der evangelischen Kirche am Buchenweg heraus. Bedeutsame und interessante Ereignisse und Begebenheiten waren darin veröffentlicht. Im Herbst des Jahres war die Auflage in Höhe von 500 Stück bereits vergriffen.

Im Februar 1999 wurden im Zuge des Kirchenasyls, zwei kurdische Familien mit sieben Personen von der Gemeinde aufgenommen. Die oberen Räume des Gemeindehauses wurden ihnen als Unterkunft zur Verfügung gestellt. Im Mai des gleichen Jahres verließ die erste Familie mit vier Personen die Gemeinde. Die zweite Familie verließ nach gut zweieinhalb Jahren die Gemeinde.

Die Kirchenmusikerin und Leiterin des Kirchenchores Anette Heber kündigt zum 30. Juni 1999 ihre Stelle. Sie hatte seit dem 1. Oktober 1993 ihren Dienst in der Gemeinde versehen.

Auch die Kindergartenleiterin Erika Adamczyk kündigt zum 30. August 1999. Nachfolgerin als Kindergartenleiterin wurde ab 1. Januar 2000 Silke Stephan. Michaela Tancou wurde als Kirchenmusikerin und Leiterin des Kirchenchores am 1. Juni 2000 eingeführt.

Seit 1993 beschäftigte die Kirchengemeinde jeweils für eine Dienstzeit einen Zivildienstleistenden. Sie wurden vornehmlich in der Altenpflege und als Hilfe für den Küster eingesetzt.

In den Jahren 1993 bis 1995 erhielten das Pfarrhaus 1, die Küsterwohnung und der Kindergarten eine Wärmeisolierung und eine neue Fassade. In den folgenden drei Jahren wurden in den kircheneigenen Wohnungen und in den Pfarrhäusern Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten, z.T. in Eigenleistung, durchgeführt.

Die Kohlengewinnung des Verbundbergwerks Lohberg-Oster-feld unter der Walsumermark hatte auch im Gemeindezentrum Bergschäden verursacht. Von 1994 bis 2002 waren an mehren Gebäuden und Abwasserrohren Schäden aufgetreten, die durch Reparatur behoben werden mussten.

Im Frühjahr 1999 wurde die Decke in der Kirche mit Zellulosefaser ökologisch Wärme isoliert. Im Herbst 2002 wurde der Platz und der Weg im Gemeindezentrum erneuert und umgestaltet.

Zum 125. Jubiläum der Selbständigkeit der evangelischen Kirchengemeinde Königshardt am 20. Juli 2000 beschenkt sich die Gemeinde mit einem Kreuz im Eingangsbereich des Gemeindehauses. Der Entwurf dieses Kreuzes stammte von Heinrich Kasan, einem renommierten Künstler, der in der Gemeinde lebte.

Im Sommer 2001 feiert ganz Königshardt die 225. Wiederkehr der ersten Besiedlung mit einer famosen Festwoche. Höhepunkt und Abschluss bildete der Festumzug durch den Ortsteil.

Erstmalig beteiligt sich die evangelische Kirchengemeinde Königshardt mit vier Gruppen. Der Posaunenchor war allerdings bei allen bisherigen Jubilarfeiern dabei gewesen. Die „Königshardter Theaterkiste“ bereicherte den Umzug mit Figuren aus ihren erfolgreichen Kinder-Theaterstücken, das Jugendhaus bildete zusammen Kindern, Eltern und Erzieherinnen des Kindergartens eine Gruppe der „ersten Königshardter Siedler“ und vornehmlich Männer des Männerwerkes hatten in einer Bauzeit von 10 Monaten die alte Kirche detailgetreu nachgebildet und zogen diese auf einem Wagen des Landwirtes Fritz Mölleken im Festzug mit. Eine endgültige Bleibe fand das Kirchen-Modell unter der Empore der Kirche.

Leider schwiegen seit Juni 2002 alle drei Glocken der Kirche am Buchenweg. Durch das Schwingen der Glocken entstanden senkrechte Risse im Mauerwerk des alten, stehengebliebenen Kirchturms. Ein Schwingungsgutachten belegte, dass die Frequenz des Turmes beim Läuten den Anhaltswert um das mehrfache überstieg. Da eine Sanierung des Turmes aus verschiedenen Gründen nicht zweckmäßig war, wurde ein Neubau des Turmes abseits der Kirche geplant und 2005 gebaut. Zugleich sollte der Eingangsbereich der Kirche völlig umgestaltet werden. Das Projekt, Umbau des Eingangsbereichs der Kirche, wurde auf unbestimmte Zeit verschoben.

Im April 2004 hatte sich wegen der herrschenden Finanzmisere ein Kirchbauverein gebildet, deren vornehmste Aufgabe es sein soll, die baulichen Maßnahmen in der Gemeinde zu unterstützen.

Die Gemeinde zählte zum 50jährigen Jubiläum des Kirchenkreises im Sommer 2004 noch 4815 Glieder. Eine rückläufige Tendenz ist in beiden großen Volkskirchen zu registrieren.

Zur Freude der Gemeindeglieder konnte am 23. Januar 2005 der erste Spatenstich für den Kirchturm, der neben der Kirche errichtet wurde, getätigt werden. Die Gemeinde war sehr froh ab den 3. Juli 2005 endlich wieder ihre Glocken zu hören, denn die Ungeduld war sehr groß. Im neuen, 17,50 Meter hohen Turm, kamen die Glocken in einen neuen hölzernen Glockenstuhl zu hängen. Auch die Schallfenster wurden nach den neuesten Erkenntnissen konzipiert. Nur auf eine Turmbekrönung wurde an den mit Lisenen verzierten Klinker-Turm verzichtet. Wegen der schlechten Finanzlage wurde auch der Abriss des alten Turmes auf unbestimmte Zeit verschoben.

Im Juni 2006 gab der Kirchbauverein ein Buch mit dem Titel: „Unser neuer Turm und seine drei Glocken“ heraus. Mehrere Gemeindeglieder beteiligten sich als Autoren.

Schon bald danach befasste sich die Gemeinde mit der Fusion der Nachbargemeinde Schmachtendorf, die dann am 1. Juli 2007 Wirklichkeit wurde.

Genau 132 Jahre lang war die Ev. Kirchengemeinde Königshardt selbstständig. Die Ev. Kirchengemeinde Schmachtendorf brachte es auf 79 Jahre Selbstständigkeit.

Zusammen sind wir stark und nennen uns Evangelische Kirchengemeinde Königshardt-Schmachtendorf.

Quellenverzeichnis:

  • Chronik der evangelischen Kirchengemeinde Königshardt. Archiv der Gemeinde
  • Almanach Königshardt-Walsumermark Aus Anlass des 125jährigen Bestehens der Evangelischen Kirche am Buchenweg am 23. Oktober 1997. Peter Gnaudschun, 1998. Herausgeber: Ev. Kirchengemeinde Königshardt
  • Unser neuer Turm und seine drei Glocken. 2006. Herausgeber: Kirchbauverein der Evangelischen Kirchengemeinde Königshardt e.V.
  • Die ehemalige Pfälzerkolonie Königshardt. Heinrich Engelbert, 1926. Lichtweg Verlag Essen
  • Festschrift zur Einweihung der Mohrmann-Orgel. 1996. Ev. Kirchengemeinde Königshardt
  • Oberhausener Heimatbuch. 1964. W. Seipp. Herausgeber: Stadt Oberhausen
  • Sonderausgabe des Gemeindebriefes. Juli 1992. Ev. Kirchengemeinde Königshardt
  • Sonderausgabe Gemeindebrief 2004. Ev. Kirchengemeinde Königshardt
  • Bestand aus dem Kirchenarchiv der Ev. Kirchengemeinde Königshardt
  • Mündliche Überlieferung mehrere Gemeindeglieder