Sonntagsgruß zum 7.6.2020

Im Folgenden finden Sie für diesen Sonntag „Trinitatis“ Texte und Gebete aus dem Gottesdienst, den Pfarrerin Stephanie Züchner und Pfarrer Stefan Züchner gemeinsam gehalten haben.

Eingangsgebet nach Psalm 113 (Verfasser unbekannt)

Halleluja!
Lobet, ihr Menschen, den Namen des Herrn!
Gelobt sei der Name des Herrn von nun an bis in Ewigkeit.
Denn Gott lässt sich beim Namen rufen.
Aus der Unendlichkeit hat er sich den Menschen bekannt gemacht.
Von Ewigkeit her hat er sich vorgestellt.
Darum lasst ihn uns preisen:
Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Niedergang
und in allen Hütten und Häusern.

Seine Herrlichkeit reicht, so weit der Himmel ist.
Er thront in der Höhe
und sieht uns doch in der Tiefe.
Wer sonst wäre wie er?
Darum lobt ihn!
Den Geringen richtet er auf.
Den Armen führt er aus dem Elend.
Der Traurigen kommt er entgegen.
Halleluja!

Ansprache

„Die Liebe Gottes, die Gemeinschaft unseres Herrn Jesus Christus und die Gegenwart des Heiligen Geistes sei mit Euch allen.“
Denn aller guten Dinge sind drei. Amen!

Liebe Gemeinde,

so soll es heute um Gott gehen, der sich dreieinig, dreifaltig in unserem Leben erweist. Denn wir brauchen ihn und fragen nach ihm. Weil wir intuitiv wissen um das Nicht-Machbare in unserem Leben. Im Alltag ist uns das vielleicht nicht so sehr bewusst, doch auch wir erleben es immer wieder an den Grenzen und Bruchstellen unseres Lebens, dass wir eben letztlich nicht die Schmiede unseres eigenen Glücks sind. Tief in uns ist die Ahnung, dass wir letztlich Ausgelieferte sind und von vielen verschiedenen Bewegungen unserer Zeit abhängig.

Und so stellt sich die Frage eines letzten Sinns, nach einer höheren Macht oder gar der Gegenwart Gottes vor allem an den Bruchstellen und Übergängen in unserem Leben. Doch auch in holprigem Alltag, so wie jetzt, taucht der Wunsch nach Bestärkung auf, und wir spüren die Sehnsucht nach Sinn, nach Gemeinschaft, nach einem Lebenskonzept, das trägt.

In der säkularen Welt wünscht man sich in den großen und kleinen Übergängen wie Geburtstag, Schulanfang, Hochzeit und manchmal auch einfach so Glück und alles Gute. Im Glauben begegnet uns an den Übergängen zu einem neuen Alltag hin der Segen. Segen, das ist die Zusage der Gegenwart Gottes auf unserem Weg. Einem Weg, der uns manchmal leicht, manchmal aber auch sehr schwer fällt. Gott aber verspricht, dass er uns begleitet. Wir gehen als Gesegnete. Und das tut gut.

Der aufgegebene Predigttext heute ist eines der ältesten Segensworte der Menschheit. Es begegnet uns im 4ten Buch Mose und wendet sich an das Volk Israel, welches Gott gerade aus dem Land Ägypten aus der Sklaverei befreit hat. Da heißt es:

22 Und Jahwe redete mit Mose und sprach:
23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet:
24 Jahwe segne dich und behüte dich;
25 Jahwe lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 Jahwe hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 Denn ihr sollt meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.
(aus 4. Mose 6,22-27)

Segnen kommt von signare, also von signieren und heißt: Mit einem Zeichen versehen. Damit wird eine Zugehörigkeit ausgedrückt. Wenn Gott seinen Namen JHWH auf die Israeliten legt, zeichnet er sie als sein Volk. Die Israeliten gehören als Gesegnete nicht mehr nur sich selbst, sondern gehören zu ihrem Gott. Das bedeutet aber, dass ihr Lebensweg nicht dem Zufall überlassen bleibt, sondern eng verknüpft ist mit der Gegenwart Gottes und also mit dem Gott, der einen Namen hat, der sich darin zu erkennen gibt: JHWH, Gott mit uns.

Denn Gott ist kein „no name“ Produkt, sondern ein Gott, der sich anreden lässt, der sich in der Geschichte mit seinen Menschen gezeigt hat und heute auch immer wieder zeigt. Er taucht in der Biografie eines jeden Menschen auf. Zuerst war er der Gott Israels. Mit Jesus von Nazareth sind wir als Christen in diese Gemeinschaft hinein genommen worden. Und seither will er der Gott aller Menschen sein, dein Gott und mein Gott. Und das drückt er im Segen aus.

Segen meint: Du gehörst zu diesem Gott. Seine Gegenwart wird Dich begleiten, und Du wirst mit Deinem Leben zum Ziel kommen. Gott wendet sich Dir zu, er sieht Dich freundlich an. Er sagt Dir Weggemeinschaft zu, er nimmt Dich in den Arm und schenkt Dir Vergebung und Frieden.

So findet im Segen die Beziehung zwischen Gott und uns, seinen Menschen, ihren Ausdruck. Und das klingt so einfach wie es ist. Segen ist schlicht ein Geschenk. Warum aber fühlen wir uns dann so oft trotzdem allein gelassen? –

Ein Gedanke dazu könnte sein, dass wir es womöglich verlernt haben uns beschenken zu lassen. Denn sich segnen zu lassen, bedeutet auch immer sich anzuvertrauen, die eigene Angewiesenheit anzuerkennen. Unsere Zeit aber verlangt in der Regel von uns, dass wir Macher sind. Wir tun uns darum schwer, uns als Gesegnete zu erleben, weil im Alltag oft nur die Leistung zählt. Wir leben in einer Welt, wo „Machen“ „Sein“ bedeutet und Erfolg alles ist. Erfolg, der in Geld und Wohlstand nachweisbar ist. Doch wie geht es Menschen, die immer machen und machen müssen, wenn sie eben nichts mehr machen können? –

Das haben wir in den letzten Monaten schmerzhaft erlebt. Wenn wir an unsere Grenzen kommen merken wir, Leben ist mehr als immer in Aktion zu sein. Aber können wir es wirklich glauben und annehmen, dass wir Angewiesene sind? Eingestehen, dass wir nicht alles vermögen und in der Hand haben? Das wir an mehr Punkten unseres Lebens, als wir es gerne hätten, Ausgelieferte sind, die auf andere und Gott angewiesen sind? –

Der Segen ist der Ort der Passivität schlechthin. Ich tue nichts, außer, dass ich empfange. Es ist die tiefste Geste des Nicht-Ich und gleichzeitig des Ich, denn im Segen empfange ich Identität.

Ich bin ein Mensch, der zu Gott gehört. Und ich bekomme so einen festen Stand und einen Ort auf dieser Welt, einen Lebens-Raum, in dem ich mich entfalten kann als Teil der Segens-Gemeinschaft. Im Segen bekommt mein Ich ein Du als Gegenüber. So und nur so aber kann es zum Ich werden, und zum Wir. Gesegnete leben gemeinsam, nicht einsam. Das verändert den Blick auf die Welt.

Im Segen dürfen wir uns beschenken lassen. Wir befehlen uns einem Höheren an und setzen darauf, dass Gott uns hilft unser Leben zu gestalten und zu bestehen und sogar noch mehr als das:

Wir vertrauen als Gesegnete darauf, dass die Wege unseres Leben uns nicht zerbrechen und wir auch an unserem Scheitern lernen und nicht eingehen. Sich segnen zu lassen ist so Ausdruck unseres Glaubens und unserer Sehnsucht zugleich: „Ja, Gott, ich möchte darauf setzen, dass Du da bist und dass auch die so genannten Umwege im Leben mir zum Besten dienen.“

Ein afrikanischer Freund sagte einmal sinngemäß: „Gott schenkt Dir, was Du brauchst, nicht, was Du Dir wünscht. Denn was würdest Du machen, wenn er Dir nur schenkt, was Du Dir wünscht und nicht, was Du wirklich brauchst?“ – Indem wir uns die Gegenwart Gottes zusprechen lassen, vertrauen wir darauf, dass da ein Gott ist, der besser als wir selbst um uns Bescheid weiß.

So aber zeigt sich Segen jeden Tag, im Besonderen und auch im Nicht-Besonderen, ja vielleicht sogar im Scheitern.

Wir alle kennen die unvergessenen Augenblicke, die Sternstunden unseres Leben, wo wir Bewahrung, Fülle und tiefe Lebensfreude erfahren haben. Ja, wo einfach alles stimmte. Und wir erinnern uns daran: An jenen wunderbaren Sonnenuntergang über dem Meer, die glücklichen Kinderaugen und unsere eigene Zufriedenheit, wie sie sich manchmal einstellt, im Urlaub, in den glücklichen Momenten. Für mich spiegelt sich darin die Erfahrung des Segens. Gott schenkt uns immer wieder Augenblicke, wo deutlich wird, wie unser Leben gedacht ist.

Aber der Segen hängt nicht an erfahrenem Glück, einer makellose Biografie oder an persönlichem Erfolg. Gerade Umwege können ebenso ein Segen sein. Denn manchmal lernen wir gerade auf diesen Umwegen Menschen kennen oder machen Erfahrungen, die sich für unser ganzes Leben als wichtig herausstellen. Lernen setzt manchmal Scheitern voraus, am Gesegnet-Sein aber ändert das nichts. Gott geht jeden unserer Wege mit.

Der Segen ist darum die Möglichkeit, unser Leben im Gesamten als getragen zu verstehen. Mit Gott gehe ich immer richtig. Nie einsam. Und vor allem ganz sicher zum Ziel.

Deshalb tut Segen so gut. Und deshalb mache ich Ihnen gerne Mut, ihn anzunehmen und weiterzugeben, schwer ist das nicht: Indem Sie Gottes Segen genießen, wie oft geht es uns gut! Indem Sie einmal öfter statt nur „alles Gute“ „Gott segne dich“ sagen. Und indem Sie Gottes Segen auch noch glauben, wenn es aus Ihrer Perspektive mal nicht geradeaus läuft.

So wünsche ich Ihnen Gottes Segen!

Und der Friede Gottes, der höher ist als all unsere Vernunft, stärke und bewahre unsere Herzen in Christus Jesus, unserem Herrn! Amen.

Fürbittengebet
Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist,
wir danken dir, dass wir in deinem Segen leben,
wir in deine Liebe uns bergen und in deiner Gemeinschaft Kraft schöpfen können. Das tut gut und hilft, schwere Zeiten zu überstehen.
So bitten wir dich für uns und die Welt:

Ermutige alle, die sich sorgen um die Folgen der weltweiten Krise.
Sei nahe denen, die leiden unter Krankheit, Diskriminierung und Rassismus.
Lenke, die Macht und Verantwortung tragen in Politik, Wirtschaft und in deiner Kirche.

Wir denken an alle Kinder und Jugendlichen, die in eine unsichere Zukunft blicken.
Wir denken an die, die uns völlig aus dem Blick geraten, die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer, in den Lagern in Griechenland und dem Balkan, in Afrika.
Wir denken an die vielen Menschen in Ländern ohne funktionierendes Gesundheitssystem, die dem Virus völlig schutzlos ausgeliefert sind.

Stärke sie!, und uns alle im Vertrauen auf dich, Gott.
Amen.

Segen (angelehnt an einen Text von Christina Brudereck)

Der eine Gott als dein Schöpfer, der Vater,
beseele Dich mit seiner Liebe.
Er stärke dein Vertrauen in seinen unbedingten Willen,
den Tod für alle Zeit zu überwinden
und Leben in Fülle zu schenken.

Der eine Gott als dein Bruder, Jesus Christus,
beseele Dich mit seiner Energie.
Er entflamme Dich für sein Ziel,
den Armen Gerechtigkeit zu bringen
und die Reichen aus der Gefangenschaft der Gier zu befreien.

Und der eine Gott, die heilige Geistkraft,
beseele Dich mit Phantasie.
Und begeistere Dich für ihr Vorhaben,
die Welt zu einem Ort des Friedens zu erneuern und
alle Menschen zu guter Gemeinschaft zusammenzuführen.

So segne Dich der eine Gott:
Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Amen.

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