Sonntagsgruß zum Pfingstfest

Lesen Sie hier Teile des Gottesdienstes, wie er heute in unserer Kirche am Buchenweg gehalten wurde. Die Liturgie hat Pfr. Levin gehalten, die Ansprache Pfr. Züchner.

Aus Psalm 18:  In diesem Augenblick

Verborgen bist du und doch ganz da. In diesem Augenblick. In diesem Winkel des Kosmos. Gott – und doch wie ein Mensch. Mit Augen, die mich freundlich ansehen; mir zuzwinkern und ein Lächeln schenken; meine Neugier wecken und meine Zuneigung.

„Ich bin da“, ist dein Name. Und dein Wesen. Du bist da. Fels in der Brandung. Halt in stürmischen Zeiten. Und doch so dynamisch, beweglich und wärmend. Mein Herz und meine Liebe gelten dir, göttliches Geheimnis.

Mit dir bin ich verbunden. Feinde können mir nichts anhaben. Auch nicht der Tod. Keine Untiefe im Meer. Und keine in meiner Seele.

Wenn Angst mich erfüllt, schaue ich auf dich. Rufe zu dir und klammere mich an dich.
Du hörst mich. Und siehst mich. Und ziehst mich heraus, wenn ich versinke.
Einfach so. Weil du Lust hast an mir. Weil ich besonders bin für dich. Weil du mich liebst.

Du führst mich aus der Enge und öffnest weiten Raum vor mir. Du machst meine Füße stark und meine Knöchel kräftig.
Du in mir. Da kann ich auch den weitesten Weg gehen. Und Mauern überspringen.

 (Aus Psalm 18, © Reiner Knieling; Bibelübertragungen von Reiner Knieling, adeo-Verlag ab 2021.)


Gebet:
Lebendiger Gott,
wir suchen deine Nähe, suchen sie an diesem Ort, suchen sie in Gemeinschaft, auch wenn vieles zur Zeit so mühsam ist, verunsichernd und fremd.

Dennoch treten wir wieder heraus aus unseren Häusern, spüren, wie wichtig uns die Nähe und die Gemeinschaft ist.
Wir bitten dich, erfülle uns mit deinem Geist, dem Geist der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.

Lass uns spüren, wie dieser Geist uns stärkt und tröstet und uns dabei hilft, dich zu erkennen und dir zu folgen.
Amen

Ansprache:
Die Gegenwart unseres gekreuzigten und auferweckten Herrn, Jesus von Nazareth, der in Gottes Geist heute gegenwärtig ist, sei mit Euch allen. Amen

Der Predigttext zum Pfingstsonntag aus Apostelgeschichte 2:

1 Als das Pfingstfest kam, waren wieder alle, die zu Jesus hielten, versammelt.
2 Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
3 Dann sahen sie etwas wie Feuer, das sich zerteilte, und auf jeden ließ sich eine Flammenzunge nieder.
4 Alle wurden vom Geist Gottes erfüllt und begannen in anderen Sprachen zu reden, jeder und jede, wie es ihnen der Geist Gottes eingab.
5 Nun lebten in Jerusalem fromme Juden aus aller Welt, die sich hier niedergelassen hatten.
12 Erstaunt und ratlos fragten sie einander, was das bedeuten solle.
13 Andere machten sich darüber lustig und meinten: »Die Leute sind doch betrunken!«

Pfingstfenster in unserer Kirche: Die Ausgießung des Heiligen Geistes


Die Pfingstpredigt des Apostels Petrus

14 Da stand Petrus auf und die elf anderen Apostel mit ihm, und er rief laut: »Ihr Juden aus aller Welt und alle Bewohner Jerusalems! Lasst euch erklären, was hier vorgeht; hört mich an!
15 Die Leute hier sind nicht betrunken, wie ihr meint; es ist ja erst neun Uhr früh.
16 Nein, hier geschieht, was Gott durch den Propheten Joël angekündigt hat:
17 ›Wenn die letzte Zeit anbricht, sagt Gott, dann gieße ich über alle Menschen meinen Geist aus. Männer und Frauen in Israel werden dann zu Propheten. Junge Leute haben Visionen und die Alten prophetische Träume.
18 Über alle, die mir dienen, Männer und Frauen, gieße ich zu jener Zeit meinen Geist aus und sie werden als Propheten reden.
19 Danach lasse ich erschreckende Zeichen erscheinen, unten auf der Erde und droben am Himmel:[8] Menschen liegen erschlagen in ihrem Blut, Flammen und Rauchwolken steigen auf;
20 die Sonne verfinstert sich und der Mond wird blutrot. So kündigt sich der große Tag des Herrn an, dem niemand entrinnen kann.
21 Wer sich dann zum Herrn bekennt und seinen Namen anruft, wird gerettet.‹

Liebe Gemeinde,

wir haben eben den Predigttext in der Lesung gehört. Eine wie ich finde spannende Erzählung, zu der man viel sagen könnte. 

Doch der wichtigste Aspekt ist für mich heute:

Pfingsten beschreibt die Erfahrung, dass wir nicht verlassen sind, sondern immer wieder in unserem Alltag erleben, dass uns Gottes unsichtbare Gegenwart begleitet, unseren Alltag kreuzt und gelegentlich sogar durchbricht. Das Fest heute beschreibt die Erfahrung, dass Gott die unterschiedlichsten Menschen im Glauben miteinander verbindet und beauftragt. 

Und Pfingsten erzählt von der Erfahrung, die auch uns vertraut ist, dass da ab und zu eine Stimme in uns zu Wort kommt. Eine Stimme, die uns ermutigt unserem Herzen zu vertrauen, weil Gott sich in dieser Stimme erweist. Es gibt immer wieder diese Stimme in uns und es gibt Situationen in unserem Leben, die uns auf Gott hinweisen. Es sind z.B. die eigenen Erfahrungen von „sich entscheiden müssen“ zwischen a, b oder c, wo wir intuitiv spüren, was das Richtige für uns ist. Und später erleben wir oftmals, dass gerade diese Herzensentscheidungen uns weitergebracht haben. – Darüber hinaus sind es die eigenen Erfahrungen von „bewahrt oder geführt werden“. Von „Rückspiegelerfahrungen“, wie ich sie nenne, die in mir die Einsicht stärken, dass auch Umwege zum Ziel führen. 

Bevor ich hier nach Königshardt-Schmachtendorf kam, hatte ich mich bei einer anderen Gemeinde beworben. Das Bewerbungsgespräch war gut gelaufen, dennoch hatte ich ein seltsames Gefühl. Danach gab es noch einen Praxis-Tag. Als ich den erlebt und gestaltet hatte, stand für mich fest, das ist meine Stelle. Ich ging hoch erfüllt in den Abend und schwebte, weil alles so gelungen war. Und ich war so glücklich, dass ich das auch gerne anderen schon weitererzählte. Dem seltsamen Gefühl zum Trotz.

Am nächsten Morgen wartete ich „nur noch“ auf die Zusage. Der Anruf kam und ich erhielt viel Lob und eine Absage. Eine Absage? – Ja, genau, eine Absage. 

Auf Nachfrage verriet mir der Anrufer, dass sie in Wirklichkeit eine Frau suchten. – Mein „seltsames Gefühl“ vom Bewerbungsbeginn wusste mehr als ich. Also alles Bewerben war von Anfang an umsonst gewesen. Sie können sich vorstellen, ich war ziemlich erledigt.

Der spätere Blick in den Rückspiegel aber lehrte mich dann etwas ganz anderes: Wenn ich diese Stelle bekommen hätte, wie es damals mein Wunsch war, hätte ich meine Frau nicht kennengelernt. Ich hätte keine weiteren Kinder bekommen, würde hier nicht stehen und mir würden unendlich viele Menschen und Erfahrungen fehlen. Mein Leben wäre ein komplett anderes geworden, vielleicht nicht schlechter, aber eben anders. Heute bin ich zutiefst dankbar für die damalige Absage. Aus meiner heutigen Sicht bin ich bewahrt worden und darüber hinaus reich beschenkt.

Aus solchen Erfahrungen – und Sie werden ähnliche Rückspiegelerfahrungen haben, also Erlebnisse, die sich im Nachhinein als richtig herausgestellt haben oder notwendig, um heute so hier zu sein,  – aus solchen Erfahrungen wächst in mir Vertrauen, dass auch, egal was heute an Enttäuschung und Scheitern geschieht, in Zukunft Segen bringen kann. Dem Herzen zu folgen erweist sich oft als richtiger Weg. Wenn wir auf unsere innere Stimme hören und unserer Intuition vertrauen, werden wir selten enttäuscht. Diese Erfahrungen verbinde ich wie die Jünger damals mit Gottes Geist, mit seinem Rat, seiner Wegweisung, seinem Segen, dass unser Leben gelingt.

In diesem Licht sehe ich auch die Schließung des Kirchenzentrums in dieser Woche. Ja, ein Schock. Wir vor Ort haben alles getan, uns eingesetzt, gerudert und geackert, immer wieder über die Kräfte hinaus. – Und jetzt ist es nach 27 Jahren gemeinsamen Weges geschlossen. Ich hätte von Gott mehr erwartet, von einigen Menschen sicherlich auch. Und ich will nichts schön reden. Es ist bitter. – Aber auch an dieser Stelle stärken mich meine Rückspiegelerfahrungen. Ich trage seit 30 Jahren eine Karte bei mir, die davon erzählt. Ich habe sie in einer schwierigen Situation geschenkt bekommen, darauf steht: „Gott schließt niemals eine Türe, ohne eine andere zu öffnen.“ Diese Karte begleitet mich wahrscheinlich bis zum letzten Tag meines Lebens, weil ich auch dann diese Wahrheit gerne in Anspruch nehmen möchte. J

Gott erinnert mich mit Pfingsten an meine Rückspiegelerfahrungen. Er ermutigt mich so, Vertrauen zu wagen in Situationen, die ich eben nicht überschauen kann. Und was soll ich sagen? Unsere Zeit fordert uns mehr denn je heraus, Vertrauen zu wagen, dass diese weltweite Krise überwunden wird. – Vertrauen ist die Währung des Glaubens. Kein Vertrauen um jeden Preis, aber ein Vertrauen, das im Hören auf Gottes Wort und seine Stimme in meinem Herzen gegründet ist.

Als Erinnerung an das Stichwort „Rückspiegelerfahrungen“ habe ich Ihnen einen kleinen „Rückspiegel“ mitgebracht. Sollte es nicht für alle hier reichen, können Sie aber auch einfach einen Spiegel daheim nehmen. Vielleicht entdecken ja auch Sie Situationen, in denen Gottes Geist Sie gut geführt oder bewahrt hat?!

Pfingsten geht aber in den Rückspiegelerfahrungen allein nicht auf. Pfingsten wird erlebt als Energieladung, als Mut machendes Ereignis, dass Gott, obwohl Jesus nicht mehr leibhaftig unter den Menschen ist, doch in seinem Geist als gegenwärtig erfahren wird und zu seinen Menschen weiterhin spricht. Und diese ermutigende Erfahrung führt dazu, dass die Jüngerinnen und Jünger damals wie heute in die ganze Welt gehen und von Gott und seiner Geschichte in Jesus von Nazareth erzählen. 

Es entstehen überall Gemeinschaften, die den neuen Glauben teilen und die neuen Werte von Liebe, Vertrauen, Humor und Menschlichkeit leben. Diese Menschen feiern weltweit, dass der Tod in Jesus besiegt ist. Diese Menschen bringen die Hoffnung auf Leben seit 2000 Jahren in unendlich viele schwierige Situationen der Menschen dieser Welt. Sie halten aller Absurdität und Vergänglichkeit diese Botschaft der Gegenwart Gottes entgegen, so dass auch andere diese Erfahrung machen können.

Egal wie die Welt in den letzten 2000 Jahren aussah, die Botschaft bleibt. Sie bleibt und wurde immer wieder weitergetragen, damit Menschen nicht verzweifeln, damit sie ihrer Angst etwas entgegensetzen können. 

Damit auch wir mit anderen Menschen im Vertrauen wachsen und uns eben nicht unterkriegen lassen! 

So wünsche ich Ihnen und uns: Frohe Pfingsten! Amen

Segen an Pfingsten

(angelehnt an C. Brudereck)

Der eine Gott segne Euch mit
geistreicher Kraft:
sie ist die Stimme, die Euch ermutigt zu reden
die Euch auffordert, beherzt zu sein.

Der eine Sohn segne Euch mit
geistreicher Tat:
sie bringt die Hoffnung hervor, wenn Euer Herz müde ist
beschenkt Euch mit kühnen Träumen 
und mit dem Mut sie zu verwirklichen.

Der eine Geist segne Euch mit
geistreichem Rat:
er ist die Gegenwart, die Ihr nie beweisen könnt,
die Euch aber trägt – immer!

So geht: gekräftigt, bewegt, erfüllt 
und lebt als Gesegnete, als Gestärkte, als Begabte
durch Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist.
Amen.

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