Sonntagsgruß zum 24.5.2020

Zum Sonntag Exaudi grüße ich Sie in der inzwischen fast gewohnten schriftlichen Form. Schön, dass Sie da sind! Wir sind auch heute von zu Hause aus eingeladen, zu beten und nachzudenken über das, was die Bibel uns sagt.
So finden Sie im Folgenden Gebetsvorschläge und ein paar Gedanken zum Tag.

Eingangsgebet
Gott, wir suchen dich
in der Höhe des Himmels,
doch nicht immer finden wir dich.

Sende uns deinen Geist!,
den Geist der Wahrheit,
damit wir dich in unserem Leben erkennen.

Sende den Geist der Liebe,
damit wir leben können in deinem Sinn.
So höre uns und lass dich hören!
Amen.

Gedanken zum Sonntag „Exaudi – Höre!“

Als Studentin habe ich mich einmal kritisch mit einem Aufsatz auseinandergesetzt, der hieß „Die Predigt als Gespräch mit dem Hörer“. Heute merke ich erneut, wie viel komplizierter es in Wirklichkeit ist. Denn ich sitze mal wieder mit mir allein am Schreibtisch und denke und schreibe – und frage mich, was denken Sie?

An die Gedanken des Hörenden anzuknüpfen ist ja schon unter normalen Umständen nicht ganz leicht, und Predigten sind bis heute in der Praxis darum häufiger Monolog als Dialog. Aber gerade jetzt, gerade heute wäre mir ein Gespräch mit Ihnen hundertmal lieber – zumal der Sonntag „Exaudi“ heißt und also vom „Hören“ erzählt.

„Exaudi, Domine, vocem meam“, „Höre, Herr, meine Stimme“ – von diesem Beginn der lateinischen Antiphon zu Psalm 27,7 leitet sich sein Name ab. Und wir feiern diesen Sonntag jedes Jahr, weil einander zuzuhören unglaublich wertvoll ist. Wir brauchen das, dieser Tage vielleicht mehr denn je:

Das erlebe ich an mir selbst, wenn Kopf und Herz mal wieder übervoll sind von all den vielen widersprüchlichen Eindrücken, von Gefühlen und Fragen – „Herr, höre!“

Ich erlebe es am Telefon. Das Bedürfnis zu erzählen und jemanden zu haben, der zuhört, der mitdenkt und versteht, wächst.

Und ich ahne die Wichtigkeit des „Einander Zuhörens“ auch, wenn ich die Medienberichte zur Lage im Land lese. Einander zuzuhören über den Gartenzaun hinweg könnte ein Sich-Fremdwerden in Nachbarschaften verhindern, denke ich manchmal. Weil Gespräch zunächst bedeutet, dass wir einander wahrnehmen, und sei es in unserer Unterschiedlichkeit, aber solange wir reden, fühlt sich keiner überhört oder übersehen. Gespräch erlaubt Verständnis für den Anderen zu entwickeln, ohne dass man sofort die eigene Ansicht ändern muss. Und: Die Auseinandersetzung mit dem Anderen hilft uns, uns selbst nicht allzu absolut zu setzen, sondern uns zu relativieren. So trägt es mitunter auch dazu bei, einander vorsichtig zu korrigieren. Und das wiederum kann nur helfen, den bestmöglichen Weg für möglichst viele zu finden – weil es den besten oder gar einzigen Weg durch diese Krise ohnehin nicht gibt. Wir leben davon, dass wir lernen – und das tun wir eben tatsächlich am besten im Gespräch.

Also: „Exaudi“, „Höre!“, –

an diesem Sonntag vielleicht auch auf Psalm 27, in der Fassung, wie Sie ihn im Gesangbuch unter der Nummer 778 auf der Seite 1203 finden:

Gott ist uns Licht und Heil,
vor wem sollten wir uns fürchten?
Gott gibt uns Kraft und Mut,
wovor sollten wir Angst haben?

Wenn etwas auf uns zukommt,
drohend und gefährlich,
dann verlieren wir nicht den Mut.

Wenn wir meinen, wir schaffen es nicht,
dann denken wir daran,
dass Gott uns hilft.

Gott, sei du immer bei uns,
dann sind wir nicht allein.
Lass uns den Weg deiner Güte gehen,
denn wo Güte ist, da verschwindet die Angst,
und das Leben kehrt wieder, das wir suchen.

Was hören Sie, wenn Sie diesen Psalm lesen?

Ich höre als erstes: Gott sei Dank! Licht und Heil sind noch da. Gott ist da! Und ich spüre: Der Mut und die Zuversicht, die der Psalm ausstrahlt, stecken mich an.

Mir geht es nach dem Lesen des Psalms irgendwie gut. Weil seine Worte mich herausreißen aus den Zweifeln, die ich manchmal hab – ob da überhaupt einer ist, der mein Gebet hört, ob diese Welt wirklich einen Sinn hat und ob wir das hinkriegen, Corona und Co.

Psalm 27 aber hilft mir zu glauben. Er lädt mich ein zu vertrauen. Vielleicht, weil er so klar ist und in dieser Klarheit überzeugt. Und weil er so lebendig von und mit Gott redet, ihn schlicht voraussetzt als Teil unserer Wirklichkeit:

„Gott ist…“ steht da, an seiner Existenz ist nicht zu rütteln. Und weil Gott ist, können wir uns auch auf ihn verlassen, uns an ihn anlehnen. „Wovor sollten wir uns fürchten“ in einer Welt, an der Gott teilhat? –

Vor gar nichts. Diese Antwort liegt auf der Hand. Und sie macht mir Mut.

Und doch höre ich auch, ebenso wohltuend zweitens, dass der Psalm meine Angst nicht einfach nur abweist. Er nimmt sie ernst. Und auch das hilft mir. Ich fühle mich gehört, verstanden und abgeholt, wenn ich den Psalm lese, denn:

Er malt die Welt nicht einfach nur rosa. Er weiß, dass es auch Dinge zum Fürchten gibt. Er weiß, dass ich mich manchmal sorge: „Wenn etwas auf uns zukommt, drohend und gefährlich…“

vielleicht darum hören ja auch Sie sich selbst mit in diesem Psalm, zumal in Corona-Zeiten? Doch auch sonst gilt ja von dieser Welt, dass sie nicht immer ein Rosengarten ist. Die Angst zu versagen, es nicht zu schaffen, Bedrohung und Widerspruch gehören zu unserem Leben dazu.

So aber lerne ich aus dem Psalm, dass zu glauben und Gott zu vertrauen eben nicht heißt, keine Angst zu haben und niemals mutlos zu sein. Sondern:

Zu glauben heißt, die Angst und die Mutlosigkeit zu überwinden, sie das eigene Leben nicht bestimmen zu lassen, im Vertrauen darauf, dass Gott unseren Weg mitgeht. Glauben heißt, Gott größer sein zu lassen als alles, auch größer als unsere Angst.

Die unbedingte Zusage, dass Gott mich nicht im Stich lässt stärkt mich darum. Drittens: Denn ich höre zwar nicht, dass er alle Hindernisse aus dem Weg räumt, aber ich höre, dass er mich nicht allein lässt, wenn es gilt, sie zu überwinden, an ihnen zu wachsen oder auch an ihnen zu scheitern. Zumindest aber höre ich die Bitte darum: „Gott, sei du immer bei uns…“ „Exaudi!“, „Herr, höre!“ Und auch in dieser Bitte finde ich mich wieder. Ich hoffe und wünsche mir, dass Gott uns hört. Nicht nur abends um 19 Uhr, wenn die Glocken läuten, sondern immer und jederzeit, wenn wir uns an ihn wenden. Weil Gebet eine Adresse braucht und einen, der antwortet.

Der Psalm geht davon aus, dass das Gespräch mit Gott keine Einbahnstraße ist, sondern wirklich ein Dialog, in dem auch Gott spricht. Wenn wir hinhören. Rede und Gegenrede, Mitdenken und Weiterdenken. Ein Gespräch, in dem wir uns selbst relativieren und vorsichtig korrigieren können. Und ein Gespräch, das auf diese Weise den bestmöglichen Weg findet:

„Lass uns den Weg deiner Güte gehen!“

Güte ist ein altes Wort. Aber es klingt und wirkt auch heute noch. Ich verbinde Gutes mit ihm: Die Freundlichkeit meines Vaters, der es mir nachsehen konnte, wenn ich daneben lag. Den Trost meiner Mutter, die mich geduldig ausweinen ließ und erst danach gefragt hat, was wir tun können. Güte ist die Bereitschaft zur Versöhnung, die Freundschaften ausmacht. Die Großzügigkeit, die dem Gegenüber Schönes von Herzen gönnt. Die Gabe, sich mitfreuen zu können. Warmherzig zu sein. Güte mag den Anderen. Sie liebt nicht alles. Aber sie nimmt das Gegenüber an.

Ein Weg, der mir diese Tage erleichtert: 

„Denn wo Güte ist, da verschwindet die Angst,
und das Leben kehrt wieder, das wir suchen.“

So erlebe ich es. Und Sie?

Ach, vielleicht können wir uns ja tatsächlich bald mal wieder austauschen. Das fände ich schön! Doch bis dahin muss der schriftliche Segenswunsch reichen: Machen Sie’s „gütig“J, geben Sie auf sich und Einander Acht!

Ihre Pfarrerin Stephanie Züchner.

Gebet
Gott, gütiger und barmherziger Gott, höre uns und lass dich hören.
Im Lärm unserer Tage lass uns Ruhe finden, und in der Stille sprich zu uns neu.
In der Unruhe unserer Herzen schenke uns dein Wort,
und tröste uns mit der Kraft deiner Liebe,
durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Segen

Und also geht, in diesen Tag und die kommende Woche:
Gesegnet. Gesehen. Gehört. Geliebt und Getragen. Amen.

Ankündigung für Pfingstsonntag:

Am Pfingstsonntag, 31.05.2020 um 10.30 Uhr, können wir endlich wieder einen „Präsenzgottesdienst“ in der Kirche feiern. Alles ist bestmöglich vorbereitet, denn auch in unserer Kirche gelten die allgemeinen Hygienebestimmungen, insbesondere das Abstandsgebot. Darum wird vieles anders sein als sonst:

Eingang und Ausgang sind besonders geregelt, die Bänke beiseite geräumt und die Stühle mit dem nötigen Abstand zueinander aufgestellt. Personen aus demselben Haushalt dürfen zu zweit nebeneinander sitzen. So haben 39 bis 57 Menschen Platz.

Man braucht einen Mundschutz, mindestens beim Betreten und Verlassen der Kirche. Außerdem müssen sich alle Teilnehmenden in eine Anwesenheits-Liste eintragen lassen. Ein Händedesinfektionsmittel steht bereit, ebenso wie es vorgeschrieben ist nach Benutzung der Sanitäranlagen.

Gemeinsames Singen ist leider nicht erlaubt, und die Gottesdienstzeit wird begrenzt auf 30-45 Minuten.

Auf Voranmeldungen verzichten wir. Sollte die Zahl der Gottesdienstbesuchenden die Anzahl der Plätze überschreiten, bieten wir Pfingstsonntag den gleichen Gottesdienst eine Stunde später noch einmal an.

Die vielen Einschränkungen machen vieles ganz anders als gewohnt. Dennoch wagen wir gerne den vorsichtigen Anfang, um so risikofrei wie möglich wieder gemeinschaftliche Gottesdienste zu feiern. Wir freuen uns auf Sie!

Ihr Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde
Königshardt-Schmachtendorf

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