Gruß zum Himmelfahrtstag

Liebe Gemeinde,

herzliche Grüße zum Feiertag! Passend zu Christi Himmelfahrt können wir heute in einen strahlend blauen Himmel gucken (wenn meine WetterApp nicht gelogen hat…). Und vielleicht lockt es Sie und Euch heute nicht zum ersten Mal an Christi Himmelfahrt eher nach draußen als in eine Kirche.

Unter normalen Bedingungen feiern viele Gemeinden den Himmelfahrtsgottesdienst gerne auch unter freiem Himmel – auch wir haben das schon gemacht. Doch es sind noch keine normale Bedingungen, und so erreicht Euch und Sie die Andacht weiterhin in digitaler Form – vielleicht ja sogar auf dem Spaziergang.

Ich möchte beginnen mit einem Gebet aus Psalm 108:

2 Mein Herz ist zuversichtlich, o Gott. Ich will singen und auf der Harfe spielen.
3 Wach auf, meine Seele! Harfe und Zither, wacht auf! Ich will aufstehen noch vor der Morgenröte und sie wecken durch unser Spiel.
4 Vor den Völkern will ich dich loben, Herr. Ja, vor ihnen soll mein Lied für dich erklingen.
5 Denn deine Gnade ist so groß und weit wie der Himmel, und deine Treue reicht bis zu den Wolken.
6 Zeige dich, o Gott, in deiner Macht, lass sie den Himmel überstrahlen, und auch auf der ganzen Erde lass deine Herrlichkeit sichtbar werden.
7 Damit alle gerettet werden, die du liebst, hilf uns mit deinem starken Arm und erhöre mein Gebet!

Liebe Gemeinde,

am heutigen Feiertag rufen wir uns eine himmlische Erfahrung ins Gedächtnis: Jesus, der seinen JüngerInnen nach Ostern mehrfach quasi leibhaftig begegnet ist, entzieht sich ihren Blicken nun endgültig in Richtung Himmel. Eine Abschiedsgeschichte also. Traurig, könnte man meinen. Doch der Evangelist Lukas erzählt es anders: Die Jünger können Freude empfinden. (Lk 24,52) Wie geht das?!

Sicher hat es etwas mit dem Segen zu tun, den sie vorher noch von Jesus empfangen haben. Ich stelle mir aber auch vor, dass sie einfach etwas ganz Wichtiges begriffen haben.
Dass dieses Erlebnis so zu einem himmlischen werden konnte, weil sie verinnerlicht haben, was Jesus ihnen schon viele Male versucht hat, ans Herz zu legen.

Der Predigttext für heute zeigt uns einen Ausschnitt dessen. Es handelt sich um eine lange Abschiedsrede, mit der Jesus schon vor seinem Tod versucht hat, seine engsten Vertrauten zu ermutigen. Sie endet in einem Gebet – für sich selbst, für die Jünger, und für uns:

20 »Ich bete aber nicht nur für sie (die Jünger), sondern auch für die Menschen, die auf ihr Wort hin an mich glauben werden. 21 Ich bete darum, dass sie alle eins sind – sie in uns, so wie du, Vater, in mir bist und ich in dir bin. Dann wird die Welt glauben, dass du mich gesandt hast. 22 Die Herrlichkeit, die du mir gegeben hast, habe ich nun auch ihnen gegeben, damit sie eins sind, so wie wir eins sind. 23 Ich in ihnen und du in mir – so sollen sie zur völligen Einheit gelangen, damit die Welt erkennt, dass du mich gesandt hast und dass sie von dir geliebt sind, wie ich von dir geliebt bin.
24 Vater, ich will, dass die, die du mir gegeben hast, dort sind, wo ich bin. Sie sollen bei mir sein, damit sie meine Herrlichkeit sehen – die Herrlichkeit, die du mir gabst, weil du mich schon vor der Erschaffung der Welt geliebt hast.
25 Vater, du gerechter Gott, die Welt kennt dich nicht; aber ich kenne dich, und diese hier haben erkannt, dass du mich gesandt hast. 26 Ich habe ihnen deinen Namen offenbart und werde es auch weiterhin tun, damit die Liebe, mit der du mich geliebt hast, auch in ihnen ist, ja damit ich selbst in ihnen bin.«
(Johannes-Evangelium, Kapitel 17, Verse 20-26)

Auf den ersten Blick verwirren mich Jesu Worte… Doch nach und nach fallen mir Schlüsselworte und -sätze ins Auge.

„Eins-sein“: Die ersten Wochen des Lockdown haben mich ahnen lassen, was alles möglich ist, wenn nicht alle, aber doch sehr viele an einem Strang ziehen. Ohne hier die Resultate einzelner Maßnahmen beurteilen zu können oder wollen, bin ich davon überzeugt, dass die Bereitschaft insgesamt, gegenseitig Verantwortung für einander und den Schutz der Gesundheit zu übernehmen, Früchte getragen hat und uns Szenarien wie in Norditalien (bislang) erspart geblieben sind.

Was könnte wohl möglich sein, wenn die Ursache für Einigkeit keine Angst vor einem Virus wäre, sondern Vertrauen in Gott!?

„Nähe“: Nähe zwischen Gott und Jesus, Nähe zwischen Jesus und seinen JüngerInnen, Nähe zwischen Jesus und uns, Nähe zwischen Gott und allen Menschen. Es ist eine Nähe, wie Jesus betont, die die Zeiten überdauert, weil sie auch für künftige Generationen gilt. Es ist eine Nähe, die schon vor unserer Geburt beginnt, und der der Tod nichts anhaben kann. Wenn jemand „in mir“ ist, ist er immer nahe, immer präsent, egal wie weit die räumliche Entfernung auch ist. Mir sind in den vergangenen Wochen manche Menschen besonders nahe gekommen, gerade weil ich sie räumlich weit weg weiß und hören wollte, dass es ihnen gut geht.

Und ich höre von vielen, dass sie sich trotz Kontaktsperre ganz eng mit FreundInnen und Verwandten verbunden fühlen, jetzt eben auf andere Weise.

„Liebe“: Sie ist die wichtigste Qualität in der Beziehung, im Einssein von Gott und Mensch und von Mensch zu Mensch, jedenfalls ist sie die einzige, die Jesus mehrfach nennt. Geliebt zu sein, sich geliebt zu wissen macht das Leben anders. Man geht fröhlicher durchs Leben, kann großzügiger sein mit anderen und sogar mit sich selbst. Wenn man sich geliebt weiß, braucht man keine Ellbogen, um sich Anerkennung zu erkämpfen… Dies und viel mehr fällt mir ein.

Und vielleicht haben die Jünger auch genau das begriffen, verinnerlicht, dass sie von Jesus und von Gott geliebt sind – und in dieser Liebe miteinander verbunden und lebendig bleiben. Dass darum Jesus nie wirklich weit weg ist, sondern ihnen genauso nahe wie Gott selbst.

In Jesu Worten lässt sich gewiss noch viel mehr finden, das dazu beigetragen hat, dass „Christi Himmelfahrt“ für seine engsten Vertrauten zu einem himmlischen Erlebnis geworden ist; einem Erlebnis, bei dem ihnen der Himmel ganz nahe gekommen ist, sodass sie dem Evangelisten Lukas nach anschließend Gott immerzu loben.

Mich berührt aber auch, dass wir miteinbezogen sind; wir, die uns die Botschaft der Jünger erst über viele Generationen erreicht hat.
Vielleicht gelingt es uns heute, uns ihnen verbunden zu fühlen.

Vielleicht dürfen auch wir heute das eine oder andere Himmlische erleben. Das wünsche ich Euch und Ihnen – und auch unserer Kirche. Denn wo uns Gott ganz nahe kommt, lässt das unsere Gemeinschaft ganz sicher nicht unberührt.

Einen himmlischen Himmelfahrtstag!

Amen.

Übrigens:

Das Segenswort ist heute in vielen Briefumschlägen vor der Kirche am Buchenweg und vor dem Gemeindezentrum an der Forststraße aufgehängt und wartet darauf, „gepflückt“ zu werden. Vielleicht machen Sie sich selber auf den Weg. Oder Ihr wisst jemandem, für den Gottes Segen heute besonders bestimmt sein könnte.

Ihre/ Eure Christina van Anken
 

Ankündigung für Pfingstsonntag:

Am Pfingstsonntag, 31.05.2020 können wir endlich wieder einen „Präsenzgottesdienst“ in der Kirche feiern. Alles ist bestmöglich vorbereitet, denn auch in unserer Kirche gelten die allgemeinen Hygienebestimmungen, insbesondere das Abstandsgebot.

Darum wird vieles anders sein als sonst:

Eingang und Ausgang sind besonders geregelt, die Bänke beiseite geräumt und die Stühle mit dem nötigen Abstand zueinander aufgestellt. Personen aus demselben Haushalt dürfen zu zweit nebeneinander sitzen. So haben 39 bis 57 Menschen Platz.

Man braucht einen Mundschutz, mindestens beim Betreten und Verlassen der Kirche. Ein Händedesinfektionsmittel steht bereit. Außerdem müssen sich alle Teilnehmenden in eine Liste eintragen lassen.

Gemeinsames Singen ist leider nicht erlaubt, und die Gottesdienstzeit wird begrenzt auf 30-45 Minuten.

Auf Voranmeldungen verzichten wir. Sollte die Zahl der Gottesdienstbesuchenden die Anzahl der Plätze überschreiten, bieten wir Pfingstsonntag den gleichen Gottesdienst eine Stunde später noch einmal an.

Die vielen Einschränkungen machen vieles ganz anders als gewohnt. Dennoch wagen wir gerne den vorsichtigen Anfang, um so risikofrei wie möglich wieder gemeinschaftliche Gottesdienste zu feiern. 

Das Presbyterium der Evangelischen Kirchengemeinde
Königshardt-Schmachtendorf

 

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