Sonntagsgruß zum 10.5.2020

Singet dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder. Psalm 98,1

Liebe Gemeinde!

Ich schreibe wieder mal einen Sonntagsgruß, es ist nun schon der achte Sonntag, den wir in dieser Form begehen – ohne Gottesdienst in der Kirche.

Aber – immerhin – ein Ende ist in Sicht. Pfingstsonntag soll es den ersten Präsenzgottesdienst in unserer Kirche geben. Bis dahin werden wir alles so vorbereiten, dass wir den Vorschriften entsprechend zusammenkommen können.

Wir dürfen natürlich nicht so feiern, wie wir es gewohnt sind, müssen die Abstandsregeln beachten.

Was mich ganz besonders schmerzt: Wir dürfen nicht singen!

Damit fällt eine ganz zentrale Ausdrucksform unserer gottesdienstlichen Gemeinschaft leider weg. Das ist wirklich schwer zu ertragen. Ich frage mich, wie wir wohl diese Gottesdienste erleben und bin auch gespannt, wie es mir selbst dabei ergeht.

Gott sei Dank werden diese Gottesdienste nicht gänzlich ohne Musik ablaufen. Ulrike Samse hat ein großes Repertoire an wunderbarer Orgelmusik und macht sich jetzt auch schon Gedanken, wie sie diese ungewöhnliche Form der Gottesdienste ohne Gesang unterstützen und bereichern kann.

Denn Musik ist so wichtig. Musik übersteigt die Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache, sie bringt unsere Seele zum Schwingen. Was Worte manchmal nicht auszudrücken vermögen, das schafft die Musik. Mehr noch: Musik kann uns verändern, hat großen Einfluss auf unsere Stimmung und unsere Gefühle, hat die Macht, dunkle Gedanken zu vertreiben. 

Der heutige Sonntag heißt Kantate, das heißt übersetzt „Singet“ !

Einen besonders von Musik geprägten Gottesdienst würden wir eigentlich feiern, vielleicht vom Kirchenchor bereichert. Wir würden auf jeden Fall viele bekannte Loblieder singen.

Als Lied ist aus dem Evangelischen Gesangbuch die Nr. 302 vorgeschlagen: “Du meine Seele singe, wohl auf und singe schön, dem, welchem alle Dinge zu Dienst und Willen stehn. Ich will den Herren droben hier preisen auf der Erd; ich will ihn herzlich loben, solang ich leben werd.“

Kantate, singt !!!

Der Name dieses Sonntags und diese Aufforderung ist aus dem 98 Psalm entnommen, der zugleich auch der Wochenpsalm ist.   

1 Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.
2 Der HERR lässt sein Heil verkündigen; vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar.
3 Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.
4 Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet!
5 Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel!
6 Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König!
7 Das Meer brause und was darinnen ist, der Erdkreis und die darauf wohnen.
8 Die Ströme sollen in die Hände klatschen, und alle Berge seien fröhlich
9 vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten. Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist.

Dieser Psalm ist ein kraftvolles Siegeslied, das in starken Bildern davon erzählt, dass Gott einmal die ganze Schöpfung heilen wird. Kein bisschen Zweifel oder Unsicherheit sind zu spüren. Es wird so kommen, das steht fest!

Ein unglaublicher Jubel wird sich verbreiten, eine große Freude erfasst den ganzen Erdkreis, das Meer klatscht in die Hände und auch die Berge freuen sich. Denn Gottes Gerechtigkeit rückt alles zurecht, wo jetzt noch Unrecht herrscht. Sein Wille setzt sich endlich durch.
Also singt und jubelt mit!!

Aber wie sollen wir das in Corona- Zeiten tun?

Die Zuversicht, die der Psalm 98 ausstrahlt, steht in krassem Widerspruch zu unserer Stimmung.

Es ist zwar eine gewisse Erleichterung spürbar angesichts mancher Lockerung, dennoch bleiben viele Fragen. Was mir vor allem zu schaffen macht, ist die Tatsache, dass kein Ende in Sicht ist.  Nach Jubeln ist mir jedenfalls überhaupt nicht zu Mute.

Und Singen? Das ist sogar verboten, weil es unsere Gesundheit gefährdet!! Beim Singen atmen wir tiefer ein als sonst. Und was eigentlich gut ist für die Lunge, jetzt ist es plötzlich gefährlich, weil es die Viren besonders tief in Lunge transportiert. Dadurch können möglicherweise schwerere Krankheitsverläufe verursacht werden.

Lobet den Herrn mit Harfen und mit Saitenspiel, mit Trompeten und Posaunen…
Um Himmels Willen, bloß nicht!! Trompeten oder Posaunen, das ist ja noch gefährlicher, weil dabei die Atemluft bis zu 10 Meter weit in den Raum katapultiert wird.

Also: Keine Musik, kein Gesang und schon gar nicht Trompeten.

Aber was dann?

Auch wenn wir es nicht mit unserem ganzen Körper ausdrücken können, die Worte des Psalm 98 tun gut und machen mir Mut. Denn sie erzählen davon, dass sich einmal alles zum Guten wenden wird, dass wir nicht in unseren Ängsten stecken bleiben, sondern das Heilung kommen wird.

Ich finde, wir brauchen in diesen Zeiten solche Protestlieder mehr als sonst. Lieder, oder eben auch Texte, die uns daran erinnern, dass am Ende nicht der Tod das letzte Wort behält, sondern Gottes Versprechen von einer heilen und vor allem gerechten Welt.

Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.

Ja, wir warten tatsächlich auch auf ein Wunder, hoffen darauf, dass die Forschung bald eine Möglichkeit der Impfung oder wenigstens der Behandlung findet.
Wir sollen nicht aufgeben, nicht resignieren, sondern fest darauf vertrauen, dass wir nicht vergessen und von Gott verlassen sind, denn er kann Wunder wirken.

Zu guter Letzt noch eine Idee:

Das Singen in Gemeinschaft ist zwar verboten, nicht aber das Singen alleine. Deshalb mein Vorschlag: Nehmen Sie doch das Gesangbuch zu Hand und singen Sie alleine für sich.

Das Schöne ist, dass die Melodien vertrauter Lieder wie „Du meine Seele singe“ oder „Sollt ich meinem Gott nicht singen“ schon beim Lesen der Strophen in unseren Köpfen mitklingen. Probieren Sie es aus!

Es grüßt sie herzlich

Ihr

Thomas Levin

 

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