Sonntagsgruß statt Gottesdienst

Zum heutigen Sonntag Lätare, dem 22.März 2020 grüße ich Sie, liebe Leserinnen und Leser, liebe Gemeinde!

Wir können uns nicht zum Gottesdienst in der Kirche versammeln, aber ich möchte ihnen und euch auf diesem Wege einige Texte, Gebete und persönliche Gedanken zukommen lassen und lade Sie und Euch ein, sich dafür am heutigen Sonntag Zeit zu nehmen. Ich verbinde damit die Hoffnung, dass Sie, dass Ihr daraus etwas tröstendes und Ermutigendes finden könnt.

Psalm für diese Woche: Psalm 84,2-13

„Freude am Hause Gottes“
Wie lieblich sind deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN; mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Der Vogel hat ein Haus gefunden und die Schwalbe ein Nest für ihre Jungen – deine Altäre, HERR Zebaoth, mein König und mein Gott.
Wohl denen, die in deinem Hause wohnen; die loben dich immerdar.
Wohl den Menschen, die dich für ihre Stärke halten und von Herzen dir nachwandeln!
Wenn sie durchs dürre Tal ziehen, wird es ihnen zum Quellgrund, und Frühregen hüllt es in Segen.
Sie gehen von einer Kraft zur andern und schauen den wahren Gott in Zion.
HERR, Gott Zebaoth, höre mein Gebet; vernimm es, Gott Jakobs! Sela.
Gott, unser Schild, schaue doch; sieh an das Antlitz deines Gesalbten!
Denn ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als sonst tausend. Ich will lieber die Tür hüten in meines Gottes Hause als wohnen in den Zelten der Frevler.
Denn Gott der HERR ist Sonne und Schild; der HERR gibt Gnade und Ehre. Er wird kein Gutes mangeln lassen den Frommen.
H
ERR Zebaoth, wohl dem Menschen, der sich auf dich verlässt!

Gebet:

Lebendiger Gott, in diesen Tagen wird uns bewusst, dass es viel zu klein von uns gedacht ist, dich und deine Wohnung auf unsere Kirchen zu beziehen.
Du bist da, wo Menschen dich für ihre Stärke halten, offen sind für Deine Kraft, die gerade in all unserer Schwäche und Ohnmacht zu spüren ist.
Wir möchten uns auf dich verlassen, enttäusche uns nicht. Amen

Gedanken zum Text für den heutigen Sonntag
„Ich will euch trösten, wie einen seine Mutter tröstet.“ Jes 66,13

Jesaja 66, 10-14
Freut euch mit Jerusalem! Jubelt über diese Stadt, alle, die ihr sie liebt! Früher habt ihr um sie getrauert, doch jetzt dürft ihr singen und jubeln vor Freude.
Lasst euch von ihr trösten wie ein Kind an der Mutterbrust. Trinkt euch satt! Genießt die Pracht dieser Stadt!
Denn ich, der HERR, sage euch: Frieden und Wohlstand werden Jerusalem überfluten wie ein großer Strom. Ich lasse den Reichtum der Völker hereinfließen wie einen nie versiegenden Bach. Und an dieser Fülle dürft ihr euch satt trinken. In dieser Stadt werdet ihr euch wie Kinder fühlen, die ihre Mutter auf den Armen trägt, auf den Schoß nimmt und liebkost.
Ich will euch trösten wie eine Mutter ihr Kind. Die neue Pracht Jerusalems lässt euch den Kummer vergessen.
Wenn ihr das alles seht, werdet ihr wieder von Herzen fröhlich sein, und neue Lebenskraft wird in euch aufkeimen wie frisches Gras.«

Diese Worte strotzen nur so vor Zuversicht. Sie sollen die Menschen beruhigen und trösten.
Alles wird gut, die heilige Stadt wird aufblühen, es wird Fülle und Reichtum da sein ohne Ende, die Menschen werden sich so geborgen und gesättigt fühlen wie an der Brust der Mutter.

Diese Verse stehen in starkem Kontrast zu unserer Stimmung in diesen Tagen. Von Zuversicht ist nichts zu spüren, ganz im Gegenteil. Tiefe Verunsicherung hat sich über unsere Stadt gelegt, über ganz Europa. Die Bilder aus Italien machen uns Angst. Kommen solche Szenarien auch auf uns zu?
Zuversicht kann im Moment keiner vermitteln auch wenn es natürlich völlig falsch und auch unnötig wäre, jetzt in Panik zu verfallen.

Gott sagt: Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet. Dieses Bild ist für mich der wichtigste Satz aus diesen Versen. Denn er erinnern mich an meine Kindheit und die ganz konkreten Erfahrungen von Trost, mütterlichem und auch väterlichem.

Feinfühligkeit war sicher nicht die Stärke meine Mutter, was angesichts eines Haushaltes mit 6 Kindern oft auch gar nicht zu leisten war. Und mein Vater war als Pfarrer eigentlich fast immer in der Gemeinde unterwegs.
Aber natürlich erinnere ich mich an Augenblicke der Nähe und des Trostes, wenn ich mit aufgeschlagenem Knie vom Gang hinter der Garage heulend in die Küche lief. Es waren vielleicht mehr die praktischen Hilfestellungen, das Pflaster, das kleine Töpfchen mit selbstgemachtem Eis, irgendeine Kleinigkeit, die mich ablenkte und schnell war der Schmerz vergessen.

Bei meinem Vater bestand der Trost weniger in körperlicher Zuwendung als vielmehr in einer unerschütterlichen, fast stoischen Ruhe, die er ausstrahlte. „Das wird schon wieder, mach mal halblang.“
Wenn ich diese Zuversicht spürte, war alles wieder gut. Als Kind lässt man sich leichter trösten, weil man die ganzen Zusammenhänge noch nicht überschaut.

Nun bin ich schon lange kein Kind mehr und weiß, dass sich nach der Mutterhand oder dem starken Vater zu sehnen, nicht das ist, was jetzt hilft.
Aber was mich tröstet sind die vielen Beispiele, bei denen Menschen um mich herum sich sehr konkret und spürbar einbringen und ganz praktisch helfen, da, wo im Moment Hilfe gebraucht wird.

Handfester Trost

Die Frauen, die in diesen Tagen Atemschutzmasken für die Pflegekräfte in den Ambulanten Diensten nähen, oder ihre Hilfe beim Einkaufen anbieten. Über hundert Hilfsangebote hat das Friedensdorf schon angenommen, Hilfe, die im Augenblick noch gar nicht abgerufen wird.

Ich will euch trösten wie einen seine Mutter tröstet. Ja, manchmal brauche ich auch die Schulter, an der ich mich anlehnen kann, die Hand, die meine hält, den Menschen, der mir zuhört. Es ist besonders schwer für die Patienten in den Krankenhäusern, die Bewohner/innen unserer Altenheime, dass sie solche Nähe im Moment nicht erleben können. Umso wichtiger ist jetzt das Telefon, über das ich den Kontakt halten kann.

Die Ängste sind nicht einfach weg, aber wir spüren, wie wichtig es ist, einander zu sehen und das was möglich ist zu tun. Der heutige Bibelvers erinnert uns daran, dass wir in unserer Unsicherheit nicht allein sind, sondern von Gott getröstet und gehalten wie von einer liebenden Mutter, einem Zuversicht ausstrahlenden Vater.

Amen.    

Gebet während einer Pandemie

Mögen die, deren
Alltag nun Einschränkungen unterliegt,
sich an die erinnern,
deren Leben bedroht ist.

Mögen die, die zu
keiner Risikogruppe gehören,
sich an die erinnern, die am
stärksten verwundbar sind.

Mögen die, die den Vorteil von Heimarbeit haben,
sich an die erinnern, die sich Kranksein nicht leisten können und zur Arbeit müssen, um ihre Miete zu bezahlen.

Mögen die, die eine
flexible Kinderbetreuung haben, wenn Schulen und Kitas geschlossen
sind,
sich an die erinnern, die diese Möglichkeit nicht haben.

Mögen die, die
Reisen absagen müssen,
sich an die erinnern, die keinen
sicheren Zufluchtsort haben,

Mögen die, die etwas zurückgelegtes Geld in den Turbulenzen des Börsenmarktes verlieren,
sich an die erinneren, die gar keine Rücklagen haben.

Mögen die, die zu
Hause in Quarantäne bleiben müssen,
sich an die erinnern, die
kein Zuhause haben.

Während Furcht sich unseres Landes bemächtigt,
lass uns auf Liebe setzen.
Wenn wir uns körperlich nicht in den Arm nehmen können,
lass uns andere Wege finden, wie wir an unsere Nächsten weitergeben, dass Gott uns umarmt.
Amen.

(Gebet von Cameron Wiggins Bellm, Veröffentlicht von Heidi Campbell, übersetzt ins Deutsche Ralf Peter Reimann)

 

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