Kirchengemeinde Königshardt wird bespielt und bekocht

5. Königshardter Klassik – ein persönlicher Rückblick von Rita Schilling

Nach einem Jahr (Zwangs-)pause konnten die „Königshardter Kochjungs“ wieder einladen zur „Königshardter Klassik“. Zum fünften Male ist sie je zweimal gelaufen, ausverkauft, zur Erleichterung aller wieder mit Erfolg. Die Veranstaltung, zu der die Hobbyköche ihren Gästen Leckeres anbieten und die Musiker zwischen den Gängen die Ohren verwöhnen.

Ein bisschen nervös waren sie schon, die Jungs. Mussten sie sich doch in neuen Räumen zurechtfinden, sie nutzen nun die Küche im Gemeindehaus an der Forst­straße. Jörn Reichstein, Chef der Gruppe: „Es ist neu und ungewohnt. Wir haben ca. ein Drittel weniger Platz in der Küche, alle 15 Kollegen passen nicht mehr gleichzeitig vor den Herd, wir ar­beiten in Intervallen. Aber das klappt. Schön ist, dass Küche und Veranstaltungsraum getrennt sind, da kann man das Geschirrklappern im Saal nicht hören. Im Gegenzug krie­gen wir allerdings nichts mit von der Musik.“

Pfarrer Stefan Züchner  und Reichstein begrüßen die Gäste und das Salonorchester Ober­hausen, würdigen die Sponsoren, erklären die Modalitäten. 50 % des Erlöses werden ge­nutzt für Anschaffungen in der Küche, die andere Hälfte wird „auf dem Ijsselmeer ver­senkt“ – heißt, damit wird ein Teamtraining auf einem Boot für die Kon­firmandenhelfer­Innen finanziert. Mit dabei einige der Kochjungs, die – wie sollte es anders sein- auf dem Schiff für das leibliche Wohl sorgen.

Kirchengemeinden leben auch vom Engagement, sagt der Pfarrer, und das gibt es hier in Königshardt-Schmachtendorf reichlich. Da erfährt die Gemeinde gerade einen ordentlichen Aufschwung. Auch die Ökumene erwähnt er, es gibt eine ökumenische Zusammenarbeit mit der benachbarten Gemeinde St. Barbara, in deren Räumen fin­det nun die Jugendarbeit beider Gemeinden statt. Ja, und heute, gleich, wenn die Musiker loslegen, ist auch einer aus der Nachbargemeinde aktiv dabei: Der junge Kla­ri­nettist Luis Krenzer gehört zur kath. Gemeinde St. Theresia.

Hans Erlinger, der Cellist des Salonorchesters, übernimmt die Moderation für den Abend. Sie freuten sich, hier zu sein, sagt er, die Stimmung wäre gut, das merke man schon. Launig erklärt er die einzelnen Musikstücke, zu jedem Titel hat er Hintergrund­wissen parat.

Sechs Musikstücke weiter tragen die Kochmädels die Vorsuppen auf die Tische: Wolf­gangs Blumenkohlsüppchen. Mit Schlag, Chili bringt eine besondere delikate Schärfe auf die Zungen.

Als die Musik wieder aufspielt, traut sich das Publikum: zu den Takten des „Wild Cat Blues“, wunderschön vorgetragen von Klarinettist Ryszard Tuszewski, klatscht es mit.

Eine gute halbe Stunde später gibt es das Hauptgericht: Putenroulade mit Salzkar­toffeln und Rosenkohl. Den Gästen schmeckt’s, die Kochjungs können aufatmen. Sie haben eine Pause verdient. „500 Stunden Arbeit aller stecken in diesen beiden Klassik-Abenden, von der Planung bis hin zur Veranstaltung. Aber wenn der Rücklauf kommt, dass alle zufrieden sind, hat es sich gelohnt.“ Der zweite Abend ist immer ent­spannter“, sagt Reichstein, „aber zur Routine wird es nie. Wir müssen als Laien immer noch was dazulernen. Und es ist ein gutes Gefühl, der Gemeinde etwas zurückgeben zu können. Immerhin nutzen wir für unser Hobby seit Jahren die Küche und das Inven­tar kostenlos.“

Das Lernen hört nie auf. Aber Hermann Hensen, der einzige im Team, der ein Profi ist in Sachen Kochen, lobt die Hobbyköche. „Sie kriegen das schon ganz gut hin, sie ma­chen das Ganze ja aus Liebe zum Kochen. Das Schnibbeln könnte profimäßiger sein und es ist sehr schwierig, die richtigen Garpunkte zu erkennen. Dazu gehört viel Er­fah­rung. Beim Abschmecken schließlich darf nicht der eigene Geschmack entschei­den, das wäre gefähr­lich. Der eine mag‘s salziger, der andere eben nicht. Hier muss ein Mittelmaß gefunden werden.“ Warum er als Profi dabei ist? Weil er immer noch gern kocht. Es eine gute Ge­meinschaft ist. Was für die Gemeinde ist. Es Spaß macht, ungezwungen ist. Und man kann dabei „auch noch ein bisschen schnacken.“ Für die Kollegen ist seine Anwesenheit eine Bereicherung, er bringt Ruhe und Sicherheit in die Gruppe.

Auch Erlinger zollt Beifall. „Eine tolle logistische Leistung. 120 Personen zu bedienen – das ist schon was.“ Gastfreundlich sei es hier. Er verrät, dass das Orchester seit Be­ginn der 90er Jahre besteht und in den letzten 15 Jahren ca. 55 Konzerte gegeben hat.

Und mit dem Salonorchester geht es weiter. Sie lassen eine Zusammenstellung von Operettenmelodien hören, bauen einen interaktiven Teil ein: Das Publikum lernt den Vier­zeiler „Schenkt man sich Rosen in Tirol“ aus dem Vogelhändler und wird gebeten, diesen Teil mitzusingen. Es müsste noch ein bisschen üben, die Musik kann es nicht übertönen, aber die Leute wiegen sich im Takt der Walzer. Das Saxofonsolo von Ryszard Tuszewski (Smoke gets in your eyes) und das „Viljalied“ der Sopransolistin Maria Adolphs ernten verdienten starken Beifall und Bravo-Rufe. Eine wunderschöne Stimme!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kochjungs kriegen von alledem nichts mit. Sie und ihre „Mädels“ müssen in der Küche aufräumen und den Nachtisch vorbereiten. In Gruppen, weil die Küche ja nicht sehr groß ist. „Ohne die Frauen wären wir verloren“, sagt Johann Pohl. Nach den Knack­punkten befragt: „Das Schlimmste ist, dass man nicht weiß, ob’s den anderen schmeckt. Und das Timing ist schwierig. Wie wird alles gleichzeitig fertig? Kartoffeln brauchen 20 Minuten, aber vorher müssen noch 40 l Wasser zum Kochen gebracht werden.“

Bei der Gründung der Kochjungs kursierte das Schlagwort „Konteremanzipatorische Be­wegung“ – die Männer lernten Frauenarbeit. Pohl hat gelernt, in der Küche unab­hängiger zu sein. „Wenn ich in den Kühlschrank schaue, könnte ich aus den vorhan­de­nen Vorräten ein Gericht zaubern. Konnte ich früher nicht. Bei uns zuhause sagen die Kinder: „Wenn’s schmecken muss, kocht Papa. Mama kocht zum Satt werden.“

Und alle, alle Beteiligten, ob Köche, die Damen, die Helfer, alle sind sich einig: Es macht Spaß. „Die Kochjungs sind ein lustiger Haufen“, sagt Ehepaar Stuers, das hin­ter der Theke die Getränke ausgibt. „Ohne Ehrenamt läuft doch nichts. Eigentlich tun wir es für die Gemeinde.“ Der Lohn? „Neue Kontakte, unterschiedliche Leute kennen lernen.“ Und mit einem Augenzwinkern: „Wir arbeiten ja nicht uneigennützig. Wir be­kom­men doch leckeres Essen.“

Die gleichen Argumente bringen die jungen Helfer aus dem Konfirmandenteam vor. „Die Kochjungs sind nette Menschen. Man macht das einfach. Und die Pfarrer unter­stützen uns und wir unterstützen andere. Wir machen das jetzt ja schon seit Jahren.“ Und dann stür­zen sie sich wieder in die Arbeit, schlängeln sich mit ihren Getränke­wagen zwischen den Tischen durch und bedienen die Gäste, die inzwischen vor der Roten Grütze sitzen und wählen dürfen, ob sie Eierlikör (selbstgemacht!) oder Vanille­sauce dazu haben möchten.

Das Salonorchester spielt den letzten Block. Flötistin Gudula Elsenbruch gibt ein Solo zum Besten, die Finger fliegen über die Klappen. Maria Adolphs hat sich längst in die Herzen der Zuhörer gesungen, und der allerletzte Musiktitel ist noch einmal ein Saxo­fonsolo, der Walzer Nr. 2 von Schostakowitsch.

Alle aktiven Beteiligten gehen auf die Bühne, wo Pfarrer Züchner ein Danke-schön ver­teilt: In Anlehnung an die Trikots der Fußball-Nationalmannschaft mit den vier Sternen für vier Weltmeister-Titel bekommt jeder Kochjung eine Schürze mit fünf Sternen für fünfmaliges Ausrichten der jeweils zwei Königshardter Klassik-Abende.

Von den Gästen hören die Männer dann Sätze wie „War lecker, das Essen“ oder „Ihr habt gut gekocht!“ oder „Es war wieder schön!“

Die Aufregung hat sich einmal mehr gelohnt. Alles ist gut gegangen.

Fotos Günter Busch

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