Masuren Reise – ein sehr persönlicher Rückblick

Masurenreise2016 (19)Am ersten Morgen nach dieser wunderbaren Reise erfasst mich beim einsamen Frühstück ein Gefühl der Leere – ich vermisse Euch, ich, die Gruppenreisen-Skeptikerin! Ihr habt mich herzlich aufgenommen, auch die anderen acht, die erstmals mit Euch fuhren. Ihr habt nie ausgespielt, dass Ihr Euch kanntet von früheren Reisen, nie ein Gefühl von Fremdheit aufkommen lassen, es gab keine Pärchenbildung und keine reservierten Plätze im Bus. Ein Bibelwort fällt mir ein: „Einer trage des anderen Last“ – abgewandelt beziehe ich das auch auf Koffer und Rucksäcke und die Traurigkeit, die den Einen und Anderen gelegentlich erfasste.

Wir haben alles geteilt: Freude über graue, aber trockene Tage oder den tiefblauen Himmel, das Staunen über den riesigen orangefarbenen Vollmond, über die Elchmutter mit ihren beiden Jungen – obwohl die meisten von uns sie nicht gesehen hatten – das Interesse am vom Biber angenagten Baum. Dankbarkeit erfüllte mich und sicher alle, die das noch nicht von früheren Reisen her kannten: über die Ideen und Vorschläge des vierköpfigen „Planungskomitees“, die Raum ließen für eigene Vorhaben und die Freiheit, sich kurz von der Gruppe trennen zu dürfen, die Spannung, welches  – wie stets wohlschmeckende – Gericht am Abend serviert werden würde. Und dann folgte die Freude auf die feuchtfröhlichen oder besinnlichen Abende in großer Runde, die verwöhnt wurde mit süßen und pikanten Leckereien, mundgerecht angerichtet von der mütterlich für uns Sorgenden, das langsame einander Entdecken, die guten Gespräche und das Lachen über selbst Erlebtes und lustige Anekdoten…

Es dauert lange, im Alltag anzukommen. Bilder der großen und kleinen Seen, der Wechsel zwischen dichtem Wald und weiten Wiesen mit weidenden Kühen, die Fahrt mit der Pferdekutsche zu zweit unter einer wärmenden Decke, ohne Klagen über den rauen Wind, den schweigenden Wald in sich aufnehmen und dann die Wärme genießen vor einem Kamin mit offenem Feuer, den Blick auf liebevoll gedeckte Tische. Besonderen Eindruck hinterlässt die Begegnung mit den freundlichen einheimischen Menschen, die wir treffen durften, herzlich und offen trotz ihrer oft schlimmen Erlebnisse in der Vergangenheit.

Wie ein Film zieht die Reise an mir vorüber, jederzeit abrufbar, traurig, dass sie vergangen ist, aber lächelnd beim Blick in mein ein kleines Tagebuch, das festhält, was nicht vergessen werden soll: angefangen von der Andacht am Morgen in der schönen Kirche, die alle umfasste, auch die weniger oder Anders-Gläubigen. Bleiben wird mir eine große Freude über das Erlebte und Dankbarkeit gegenüber Allen, die zu ihrem Gelingen beigetragen haben.
Text: Inge Karoline Kurth
Bilder: Jürgen Schlotterbach und Thomas Levin

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