Nachbarschaftstreffen der Religionen

Nachbarschaftstreffen der Religionen 2017 (5) „Wir gehören zusammen – wir sind Schmachtendorf“

So formulierte es der Vertreter der muslimischen Aksemseddin-Gemeinde beim Nachbarschaftstreffen der Religionen am 2.4. in Schmachtendorf. Und er erntete dafür begeisterten Applaus. Zum dritten Mal waren Menschen aus den katholischen Gemeinden, der evangelischen, der muslimischen, der apostolischen und neupostolischen Gemeinde im Autopark Köster an der Gabelstraße zu einem Treffen der Religionsgemeinschaften in Königshardt und Schmachtendorf zusammen gekommen. 600 Stühle waren von Willi Köster und seinem Team in der großen Werkstatt aufgestellt worden – und sie waren nahezu alle besetzt – dazu eine  Bühne, auf der die Gemeinden ihr Programm präsentierten. 

„So klingt unser Glaube“ war diesmal das Motto der Veranstaltung. Und so gab es ein reichhaltiges musikalisches Programm der Gemeinden, das kurzweilig und professionell moderiert wurde von Dr. Matthias Keidel von der Mülheimer Akademie Wolfsburg. Die musikalische Selbstdarstellung der Gemeinden reichte von neuen geistlichen Liedern zum Mitsingen über romantische Chormusik von Schubert, von Gospel bis zu Reformationsliedern. Besonders das gemeinsame Singen, zu dem das Publikum immer wieder eingeladen war, stieß auf große Resonanz. Es machte die verbindende Kraft der Musik erlebbar. Auch Moderator Keidel bereicherte das Programm mit virtuoser Saxophonmusik.

Ein ganz besonderer Höhepunkt war die Präsentation der muslimischen Gemeinde mit ihren tanzenden Derwischen. Zwei Kinder führten die traditionellen, aus der islamischen Mystik stammenden Tänze vor, die im muslimischen Glauben eine Form der Meditation und des Gebets darstellen. Auf die Frage des Moderators, wie man dieses minutenlange sich um die eigene Achse drehen erlernen kann, antwortete einer der Tänzer: „Man muss es täglich üben, bis man die Angst dabei umzufallen verliert.“ Die Gruppe bestehend aus Tänzern, Sängern und Musikern erntete anhaltenden Applaus.

Einen gemeinsamen Abschluss bildete das von allen Gemeinden vorgetragene Gebet der Vereinten Nationen: „Herr, unsere Erde ist nur ein kleines Gestirn im großen Weltall. An uns liegt es, daraus einen Planeten zu machen, dessen Geschöpfe nicht von Kriegen gepeinigt werden, nicht von Hunger und Furcht gequält, nicht zerrissen in sinnlose Trennung nach Rasse, Hautfarbe oder Weltanschauung. Gib uns Mut und Voraussicht, schon heute mit diesem Werk zu beginnen, damit unsere Kinder und Kindeskinder einst stolz den Namen Mensch tragen. Amen“.

Musikalisch gerahmt wurde die Veranstaltung durch Musik unseres Posaunenchores unter der Leitung von Tim Neuhaus. Nach den Gemeindepräsentationen lockte der Duft gegrillter Würstchen die Gäste vor die Halle, wo es bei Essen und Trinken mit Gesprächen und Begegnung weiter ging.

In einer so aufgeheizten Zeit wie der gegenwärtigen voller kontroverser Diskussionen und Kämpfe der politischen und religiösen Lager setzt eine Veranstaltung wie das Nachbarschaftstreffen der Religionen ein wichtiges Zeichen. Einander zu zeigen “ seht her, so leben wir unseren Glauben, so drückt er sich aus seit Jahrhunderten“, trägt bei zu gegenseitigem Kennenlernen und Respekt. Es zeigt: keine Kirche oder Religionsgemeinschaft ist die einzig wahre. Sie sind alle verschiedene Zugangswege zu dem einen Gott, der sich nicht einsperren lässt in einer einzigen Kirche, nicht einmal in allen zusammen.

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